Print vs. Online

Zeitungssterben: Das Ende der gedruckten Tageszeitung?

„Die Tageszeitung wird, ob gedruckt oder digital, auch in Zukunft überleben, weil sie für die Menschen, die an ihrer Umwelt teilhaben wollen als Zeitgenossen, unverzichtbar ist“, schrieb die Frankfurter Rundschau im November 2012, kurz nachdem sie Insolvenz angemeldet hatte.

Doch die Auflagen- und Verkaufszahlen der letzten Jahre sprechen eine andere Sprache. Nur kurze Zeit nach der Pleite der Frankfurter Rundschau erschien im Dezember 2012 die letzte Ausgabe der Financial Times Deutschland. Die Redaktion der Westfälischen Rundschau wurde zum 1. Februar 2013 komplett eingestellt, ein gutes Jahr später stellte auch die Münchner Abendzeitung im März 2014 einen Insolvenzantrag. Wurden im dritten Quartal des Jahres 2002 in Deutschland jeden Tag noch 27,49 Millionen Tageszeitungen aufgelegt, waren es im gleichen Quartal 2012 nur noch 21,13 Millionen. Wenn der Abwärtstrend konstant so weitergeht, könnte im Jahr 2034 die letzte Tageszeitung über eine Druckerpresse rollen.

Liegt die Zukunft der Tageszeitung im Internet? Auch online ist die Konkurrenz groß. Wer sich über aktuelle Ereignisse informieren möchte, bekommt zum Beispiel bei tagesschau.de oder auf t-online.de die gleiche Nachrichtenqualität, nur kostenlos. Viele Nachrichtenseiten bieten zudem Analysen und Hintergrundberichte schon am Tag des Geschehens an, während sie zumindest in den Printexemplaren der Tageszeitungen erst am Folgetag zu lesen sind.

Civey hat die Bundesbürger gefragt, ob und wie oft sie noch Tageszeitungen lesen, ob sie dabei lieber ins Internet gehen oder ein Printexemplar aufschlagen und wie sehr ihnen die gedruckte Variante fehlen würde, falls diese tatsächlich aussterben sollte.

Nur eine kleine Minderheit liest überhaupt keine Tageszeitungen

Die gute Nachricht zuerst: Nur 11,6 Prozent der Bundesbürger geben an, überhaupt „keine Tageszeitungen“ zu lesen. Das heißt, dass fast neun von zehn Bürgern zumindest gelegentlich eine Tageszeitung aufschlagen oder deren Onlineseiten besuchen. Die Mehrheit (39%) bevorzugt dabei nach wie vor die Printausgabe. 30,9 Prozent lesen hingegen Tageszeitungen lieber „online“, 17,7 Prozent „beides gleich gern”.

Je jünger die Deutschen, desto seltener lesen sie die Print-Version

Häufig werden die Ursachen für das Zeitungssterben in der Konkurrenz mit dem Internet gesehen. Der durchschnittliche Zeitungsleser sei in der Regel alt, viele Leser stürben einfach weg, während die jüngere Generation Informationen schneller anderswo online finde. Civey-Daten zeigen: Es stimmt zwar, das die jüngeren Deutschen sich lieber online informieren, gleichzeitig gibt aber auch die deutliche Mehrheit der 18- bis 29-Jährigen an, nach wie vor Tageszeitungen zu lesen.

Während 55,2 Prozent der über 65-Jährigen Tageszeitungen lieber gedruckt lesen, ziehen 47,6 Prozent der 18- bis 29-Jährigen die Online-Variante vor. Nur 20,7 Prozent dieser Altersgruppe bevorzugen die Printausgabe und lediglich 15,4 Prozent geben an, gar „keine Tageszeitungen“ zu lesen.

Zeitungssterben? Ja, aber nur im Print

Noch scheint das Zeitungssterben keine akute Gefahr zu sein: Immerhin ein Drittel (33,7%) der Bundesbürger liest nach wie vor gedruckte Tageszeitungen, 10,2 Prozent tun dies noch mehrmals in der Woche, 8,8 Prozent mehrmals im Monat. Nur 22,3 Prozent geben an, „nie“ ein Printexemplar einer Tageszeitung in die Hand zu nehmen.

Ein anderes Bild zeigt sich allerdings, wenn man die Ergebnisse nach Altersgruppen betrachtet. Es sind vor allem die über 65-Jährigen, die noch „täglich oder fast täglich” zur Printzeitung greifen (54,9%). Bei den Deutschen zwischen 18 und 29 sowie zwischen 30 und 39 Jahren lesen hingegen nur rund 15 Prozent täglich eine gedruckte Tageszeitung. 29,9 Prozent der 18- bis 29-Jährigen und sogar 33,2 Prozent der 30- bis 39-Jährigen schlagen hingegen „nie“ eine gedruckte Tageszeitung auf. Mittelfristig geht der Trend also eindeutig weg vom Printexemplar.

Mehrheit würde den Verlust der Printzeitung bedauern

Obwohl die Lesegewohnheiten darauf hindeuten, dass es mit der Tageszeitung im Print bald ein Ende haben könnte, würde dennoch eine Mehrheit der Bundesbürger (60,5%) den Verlust der gedruckten Ausgaben bedauern.

Das trifft sogar auf eine Mehrheit der beiden jüngeren Altersgruppen zu, die sehr viel seltener ein Printexemplar aufschlagen als die älteren Deutschen: Auch je über die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen (53,6%) und der 30- bis 39-Jährigen (51,6%) würde es bedauern, wenn Tageszeitungen zukünftige keine gedruckten Ausgaben mehr hätten.

Besonders interessant: Auch 29 Prozent derjenigen, die Tageszeitungen lieber online lesen als im Print, und selbst 22,8 Prozent derjenigen, die „nie” gedruckte Tageszeitungen lesen, geben an, dass sie den Verlust der gedruckten Ausgaben bedauern würden.

Das Sterben der Printexemplare der meisten Tageszeitungen wird sich am Ende wohl nicht aufhalten lassen. Das mag für die Beschäftigten in den Redaktionen bitter sein, aber es muss nicht das Ende der Tageszeitung an sich bedeuten. Wenn es den Verlagen gelingt, auch im Internet Geschäftsmodelle zu entwickeln, die guten Journalismus möglich machen, dann kann die Tageszeitung - wie die Frankfurter Rundschau prognostizierte - „auch in Zukunft überleben“.

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