Civey Data Insights: Vorsicht statt Wachstum bei der Personalplanung
Deutschlands Unternehmen gehen mit deutlich gedämpften Erwartungen in das Jahr 2026. Die aktuelle Civey Studie für das Handelsblatt zeigt: Die Einstellungsdynamik verliert spürbar an Tempo.

Nur 16 Prozent der privatwirtschaftlichen Entscheider:innen planen, mehr Personal einzustellen als im Vorjahr. Demgegenüber steht eine deutlich größere Gruppe von 34 Prozent, die ihre Neueinstellungen zurückfahren will. Weitere 31 Prozent rechnen mit einem stabilen Niveau.
In der Gesamtbetrachtung ergibt sich damit ein klares Bild: Expansion bleibt die Ausnahme, Vorsicht ist die Regel.
Stabilisierung statt Wachstum
Ein genauerer Blick auf die Belegschaftsplanung bestätigt diesen Trend. Zwar plant eine Mehrheit von rund 60 Prozent der Unternehmen, ihre Mitarbeiterzahl konstant zu halten. Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine relevante Bewegung in Richtung Personalabbau: Jedes fünfte Unternehmen will seine Belegschaft leicht reduzieren, jedes zehnte sogar deutlich.
Weniger Bewerbungen, längere Besetzungszeiten
Trotz der gedämpften Einstellungspläne bleibt die Lage am Arbeitsmarkt angespannt. Die Studie zeigt ein strukturelles Spannungsfeld: Während Unternehmen vorsichtiger einstellen, wird die Besetzung offener Stellen gleichzeitig schwieriger.
So berichtet rund ein Drittel der Entscheiderinnen und Entscheider von einem Rückgang der Bewerbungen in den vergangenen zwölf Monaten, während nur ein Viertel einen Anstieg beobachtet. Parallel dazu geben 36 Prozent an, dass offene Stellen langsamer besetzt werden können als zuvor. Lediglich 17 Prozent erleben eine Beschleunigung.
Diese Entwicklung verdeutlicht: Der Fachkräftemangel wirkt weiter – unabhängig von konjunkturellen Schwankungen.
Operatives Geschäft im Fokus
Dort, wo Unternehmen weiterhin einstellen, konzentrieren sie sich klar auf ihr Kerngeschäft. 56 Prozent der einstellenden Unternehmen suchen gezielt Fachkräfte für Produktion und operative Bereiche.
Deutlich nachrangig sind hingegen Funktionen wie Vertrieb und Marketing (22 %), Verwaltung (19 %) oder IT und Digital (18 %). Auch Führungspositionen spielen aktuell nur eine untergeordnete Rolle.
Der Fokus verschiebt sich damit klar in Richtung unmittelbarer Wertschöpfung.
Steigende Gehaltsforderungen verschärfen die Lage
Ein zusätzlicher Druckfaktor liegt in den Erwartungen der Bewerberinnen und Bewerber. 61 Prozent der Unternehmen berichten, dass die Gehaltsvorstellungen in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen sind. Nur eine kleine Minderheit beobachtet sinkende Forderungen.
Damit verschärft sich die Situation für viele Betriebe: Während die wirtschaftliche Unsicherheit anhält, steigen gleichzeitig die Kosten für Neueinstellungen.
Fachkräftemangel bleibt zentrales Problem
Trotz aller Zurückhaltung bleibt der Fachkräftemangel eines der dominierenden Themen. Für 48 Prozent der Unternehmen ist er im Vergleich zu den letzten drei Jahren sogar zu einem größeren Problem geworden. Nur 24 Prozent sehen eine Entspannung.
Auch in der täglichen Personalplanung spielt dieses Thema eine zentrale Rolle: Ebenso viele Entscheider nennen den Fachkräftemangel wie die gestiegenen Lohn- und Personalkosten als wichtigste Einflussfaktoren – jeweils 37 Prozent.
Hinzu kommen Unsicherheiten durch Konjunktur und Auftragslage, die ebenfalls erheblichen Einfluss auf die Personalstrategie haben.
Mehr Erwartungen an Zusatzleistungen
Parallel zu steigenden Gehaltsforderungen wachsen auch die Ansprüche an zusätzliche Benefits. Jedes zweite Unternehmen berichtet, dass die Nachfrage nach Angeboten wie Homeoffice oder flexiblen Arbeitszeiten in den vergangenen Jahren zugenommen hat.
Diese Entwicklung erhöht den Druck auf Unternehmen zusätzlich, attraktive Rahmenbedingungen zu schaffen – selbst in einem Umfeld, das von Zurückhaltung geprägt ist.
Fazit: Eine strukturelle Zwickmühle
Die Ergebnisse zeichnen das Bild eines Arbeitsmarkts in einer strukturellen Zwickmühle. Unternehmen wollen und müssen vorsichtiger agieren, stoßen dabei jedoch weiterhin auf einen angespannten Bewerbermarkt und steigende Kosten.
Der Fachkräftemangel ist damit kein konjunkturelles Phänomen, sondern bleibt ein langfristiges Problem. Gleichzeitig zwingt die Kostenentwicklung viele Unternehmen dazu, ihre Einstellungspläne zu überdenken.
Für die deutsche Wirtschaft bedeutet das: Die Herausforderungen am Arbeitsmarkt verschieben sich – gelöst sind sie noch lange nicht.
Der Fachkräftemangel ist weniger ein Mangel an Talent als ein strukturelles Matching-Problem. Anforderungen verändern sich schneller, als Qualifikationen nachziehen – während Unternehmen oft noch nach dem perfekten Lebenslauf suchen. Entscheidend wird daher, stärker auf Entwicklungspotenzial statt auf den perfekten Fit zu setzen.
