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Zwischen Interesse und Skepsis: Der E-Auto-Markt bleibt gespalten

Die Elektromobilität in Deutschland kommt voran – aber sie überzeugt noch längst nicht alle. Die aktuelle Civey Studie für die Automobilwoche zeigt ein ambivalentes Bild: Während sich ein großer Teil der potenziellen Autokäuferinnen und -käufer grundsätzlich offen zeigt, bleibt die Skepsis nahezu gleich stark.

E-Auto

So können sich 46 Prozent vorstellen, beim nächsten Autokauf ein reines Elektroauto zu wählen. Dem gegenüber stehen jedoch 44 Prozent, für die ein E-Auto weiterhin nicht infrage kommt. Weitere zehn Prozent sind unentschieden. Der Markt ist damit nahezu exakt zweigeteilt – ein klarer Hinweis darauf, dass sich Elektromobilität noch in einer Übergangsphase befindet.




Gebrauchte E-Autos: Noch keine echte Alternative

Deutlich zurückhaltender fällt die Einschätzung beim Thema Gebrauchtwagen aus. Nur 20 Prozent halten es für wahrscheinlich, ein gebrauchtes Elektroauto zu kaufen. Zwei Drittel hingegen schließen dies eher aus.
Das zeigt: Während neue E-Autos zumindest in der Wahrnehmung vieler eine Option darstellen, fehlt es dem Gebrauchtmarkt noch an Vertrauen. Unsicherheiten rund um Batteriezustand, Lebensdauer und Wiederverkaufswert dürften hier eine zentrale Rolle spielen.




Sicherheit schlägt Preis: Was beim Gebrauchtkauf zählt

Im Handel mit gebrauchten E-Wagen sind Zertifikate und Garantien für Käufer entscheidend. Sie schaffen Vertrauen in einem jungen Markt, der noch nicht auf jahrzehntelange Routine und Erfahrungswerte bauen kann.

Steffen Braun – Partner & Executive VP Consulting bei Civey
Steffen

Wenn sich Menschen dennoch mit dem Gedanken an ein gebrauchtes E-Auto beschäftigen, werden ihre Prioritäten klar. An erster Stelle steht ein Batteriezertifikat zum Zustand und zur Restkapazität – ein deutlicher Hinweis darauf, wie zentral das Vertrauen in die Technologie ist.
Auch Garantien durch den Händler sowie eine verlässliche Lademöglichkeit am Wohnort spielen eine wichtige Rolle. Klassische Verkaufsargumente wie persönliche Beratung oder Probefahrten sind dagegen weniger entscheidend.
Die Botschaft ist eindeutig: Beim E-Auto geht es weniger um Emotion als um Sicherheit und Transparenz.




Kostenfrage bleibt ungeklärt

Ein zentraler Streitpunkt der Elektromobilität ist die Frage nach den laufenden Kosten. Hier zeigt sich eine deutliche Unsicherheit in der Bevölkerung: Nur 34 Prozent gehen davon aus, dass Elektroautos im Unterhalt günstiger sind als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Eine Mehrheit von 51 Prozent glaubt das nicht.
Diese Wahrnehmungslücke ist entscheidend. Denn obwohl Elektroautos in vielen Fällen tatsächlich geringere Wartungs- und Energiekosten haben können, ist dieser Vorteil bei vielen Menschen noch nicht angekommen.




Einsparungen werden vor allem bei Steuern erwartet

Dort, wo Einsparungen erwartet werden, konzentrieren sie sich vor allem auf staatliche Anreize. 58 Prozent rechnen mit geringeren Steuerkosten. Auch beim Laden beziehungsweise Tanken sowie bei Wartung und Werkstatt sehen viele Potenziale.
Deutlich seltener werden hingegen Einsparungen bei Versicherungen vermutet. Gleichzeitig gibt knapp jede fünfte Person an, gar keine Einsparungen zu erwarten.




Der Kauf bleibt analog

Trotz Digitalisierung bleibt der Autokauf ein zutiefst analoger Prozess. Für 79 Prozent ist der persönliche Besuch im Autohaus mit Beratung und Probefahrt wichtig. Nur eine kleine Minderheit hält diesen Kontakt für verzichtbar.
Das unterstreicht: Vertrauen entsteht weiterhin vor Ort – ein entscheidender Faktor, gerade bei einer erklärungsbedürftigen Technologie wie dem Elektroauto.




Preis dominiert bei der Werkstattwahl

Auch im After-Sales-Bereich zeigt sich ein klares Bild. Der wichtigste Grund für einen Werkstattwechsel ist der Preis. Mehr als die Hälfte der Befragten nennt günstigere Angebote als ausschlaggebenden Faktor. Serviceaspekte wie Ersatzwagen oder kürzere Wege spielen ebenfalls eine Rolle, bleiben aber deutlich dahinter. Digitale Angebote wie Online-Terminbuchung oder virtuelle Beratung sind hingegen bislang kaum relevant.




Vertrauen bleibt klassisch

Ein ähnliches Muster zeigt sich bei den Informationsquellen. Autohändler vor Ort genießen mit Abstand das größte Vertrauen, gefolgt vom persönlichen Umfeld sowie klassischen Online- und Printmedien. Neue Kanäle wie Social Media oder Künstliche Intelligenz spielen aktuell kaum eine Rolle. Vertrauen wird weiterhin vor allem durch persönliche Erfahrung und etablierte Quellen aufgebaut.




Hoffnung auf günstigere Modelle

Das Potenzial für E-Autos ist groß. Rund jeder zweite Autokäufer in den nächsten 24 Monaten kann sich ein Elektroauto vorstellen. Ähnlich viele erwarten zudem Bewegung beim Angebot im Niedrigpreisbereich. Die Modelloffensive einiger Hersteller in diesem Segment kommt genau zum richtigen Zeitpunkt.

Steffen Braun – Partner & Executive VP Consulting bei Civey
Steffen

Ein möglicher Treiber für die weitere Verbreitung der Elektromobilität könnten sinkende Preise sein. 47 Prozent der Befragten glauben, dass noch in diesem Jahr vermehrt Elektroautos unter 25.000 Euro auf den Markt kommen könnten.
Gleichzeitig bleibt ein großer Teil skeptisch oder unentschieden. Auch hier zeigt sich: Die Erwartungen an die Marktentwicklung sind vorhanden, aber noch nicht gefestigt.




Fazit: Der Durchbruch hängt am Vertrauen

Die Daten zeigen klar: Die Elektromobilität scheitert derzeit weniger an grundsätzlichem Interesse als an konkreten Unsicherheiten. Fragen zu Kosten, Technologie und Wiederverkaufswert prägen die Entscheidungen vieler Menschen.
Für Hersteller, Händler und Politik bedeutet das: Der Schlüssel zum Durchbruch liegt nicht nur in neuen Modellen, sondern vor allem in Transparenz, Aufklärung und Vertrauen.

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