Diskussion über Rundfunkbeitrag

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: Wer will ihn, wer nutzt ihn und wer würde freiwillig für ihn zahlen?

Cherubino / ARD Hauptstadtstudio / CC BY-SA 3.0 / bearbeitet von Civey

Die Diskussion um die Legitimität des Rundfunkbeitrags ist so alt wie die Finanzierung selbst, auch als sie noch Rundfunkgebühr hieß. 2013 wurde die Rundfunkgebühr in einen einheitlichen Beitrag umgewandelt, der von allen Haushalten bezahlt werden muss - unabhängig davon, ob Geräte vorhanden sind oder nicht oder wie viele Menschen in einem Haushalt leben. Seit 2015 beträgt der Rundfunkbeitrag 17,50 Euro pro Monat.

Der Beitrag soll die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten gerecht finanzieren und deren Unabhängigkeit sicherstellen.

Doch wie viele Deutsche nutzen überhaupt die Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks? Würden sie den Rundfunkbeitrag auch bezahlen, wenn dieser freiwillig wäre? Oder sollten die Öffentlich-Rechtlichen komplett abgeschafft werden? Civey hat über 100.000 Bundesbürger befragt.

Fast die Hälfte der Deutschen nutzen die Öffentlich-Rechtlichen täglich

Die meisten Deutschen greifen „täglich“ (45%) oder zumindest „mehrmals in der Woche“ (15,1%) auf Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR) zurück. Lediglich 14,1 Prozent geben an, niemals von Angeboten von ARD, ZDF und co. Gebrauch zu machen.

Je älter die Deutschen, desto regelmäßiger nutzen sie die Öffentlich-Rechtlichen

Auch bei den jüngeren Deutschen zwischen 18 und 29 Jahren macht nur eine Minderheit überhaupt keinen Gebrauch von den öffentlich-rechtlichen Hörfunk- und Fernsehprogrammen (11,9%). Allerdings schalten sie deutlich seltener ein als ältere Bundesbürger. Nur drei von zehn 18- bis 29-Jährigen nutzen täglich den ÖRR. Zum Vergleich: Bei den über 65-Jährigen sind es mehr als die Hälfte (52,9%).

Die Mehrheit der unter 30-Jährigen würde den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffen

Die Häufigkeit der Nutzung spiegelt sich auch in der Einstellung gegenüber den Öffentlich-Rechtlichen wider. Die jüngeren Deutschen, die weniger regelmäßig auf Programme des ÖRR zurückgreifen, sprechen sich deutlich häufiger für seine Abschaffung aus: 50,9 Prozent der 18- bis 29-Jährigen sind der Meinung, der öffentlich-rechtliche Rundfunk sollte abgeschafft werden. Dem stehen 45,5 Prozent gegenüber, die ihn behalten möchten.

Bei den über 65-Jährigen ist eine deutliche Mehrheit hingegen für den Fortbestand der Öffentlich-Rechtlichen (64,5%). Nur 30,2 Prozent dieser Altersgruppe würden eine Abschaffung begrüßen.

Es besteht aber noch Hoffnung für ARD, ZDF und Co.

Zieht man alle Altersgruppen in Betracht, so spricht sich die Mehrheit der Bundesbürger für den Erhalt des ÖRR aus (56,5%). 41,4 Prozent würden ihn sogar „auf keinen Fall“ abschaffen. Dabei profitieren die Öffentlich-Rechtlichen vermutlich auch davon, dass ihre Berichterstattung als glaubwürdiger eingeschätzt wird als im Privatfernsehen, wie Civey an anderer Stelle gezeigt hat.

Betrachtet man die Ergebnisse nach der Häufigkeit der Nutzung, so zeigt sich erwartungsgemäß: je weniger der ÖRR genutzt wird, desto höher der Prozentsatz derjenigen, die sich für seine Einstellung aussprechen. Allerdings gibt es selbst unter den Deutschen, die niemals Gebrauch von den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten machen, noch Unterstützer. Immerhin ein Viertel (25,5%) derjenigen, die „nie“ Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nutzen, sind gegen seine Abschaffung.

Der Rundfunkbeitrag ist jedoch zu teuer

Auch wenn eine Mehrheit der Deutschen den ÖRR gerne behalten würde, 17,50 Euro im Monat würden nur wenige freiwillig dafür aufbringen. Der aktuelle Rundfunkbeitrag ist den meisten Deutschen - zumindest in Single-Haushalten, in denen der Betrag pro Kopf anfällt - zu teuer. Nur jeder Zehnte (10,1%) würde freiwillig einen Betrag zwischen 16 und 20 Euro bezahlen, wenn er die Wahl hätte und lediglich 5,8 Prozent wären bereit, mehr als 21 Euro zu entrichten.

37,7 Prozent würden hingegen „nichts“ für die Öffentlich-Rechtlichen ausgeben, wenn der Rundfunkbeitrag freiwillig wäre. 18,6 Prozent gäben noch zwischen 6 und 10 Euro für den ÖRR aus, weitere 13,9 Prozent noch weniger als 5 Euro.

17,50 Euro sind auch den täglichen Nutzern des ÖRRs zu viel

Selbst unter den Deutschen, die täglich Angebote der Öffentlich-Rechtlichen nutzen, würden die meisten auf freiwilliger Basis nicht den aktuellen Rundfunkbeitrag bezahlen. 25,8 Prozent wären bereit, zwischen 16 und 21 Euro auszugeben. Insgesamt 44,5 Prozent würden stattdessen einen Betrag zwischen 6 und 15 Euro wählen.

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