Civey fragt, wie Deutschland tickt

Heiliger Sankt Florian…

…verschon´ mein Haus, zünd´ and´re an. Das ist die wenig fromme Anrufung des Schutzheiligen gegen Feuer, mit der Gefahren nicht abgewendet, sondern nur abgelenkt werden sollen. Die Denkweise ist tief verwurzelt in der Gesellschaft, wie Civey bei einer Reihe von Umfragen herausgefunden hat.

Dass die Menschheit für mehr Nachhaltigkeit und Naturschutz eine Reihe von Gewohnheiten ablegen müsste, ist praktisch unbestritten. Doch diese Erkenntnis führt nur allmählich zu echtem Umschwenken. So ist unverändert der „niedrige Preis" das wichtigste Entscheidungskriterium, wenn es um die Wahl des bevorzugten Energieversorgers geht. Fast die Hälfte (46,2%) entscheidet nach dem Preis. Nur jeder Fünfte (20,1%) sieht die „ökologische Erzeugung" als wichtigsten Aspekt bei der Wahl des Stromerzeugers an. Danach ist es die „Transparenz der Kosten" (11,9%) vor einem „guten Service" (10.4%), nach der die Anbieterwahl getroffen wird.

Mobil und fossil?

Auch beim Thema Mobilität ist Umweltbewusstsein nicht unbedingt die entscheidende Triebfeder. Für jeden Dritten (34,2%) ist „Verfügbarkeit" das wichtigste Kriterium bei der Auswahl des Fortbewegungsmittels. „Zuverlässigkeit" nannte jeder Fünfte (21,5%) als wichtigsten Aspekt. Ungefähr gleichauf liegen die Nennungen für „Umweltverträglichkeit" (9,7%), „Preis" (9,4%) und „Komfort" (9,1%). Dass nur 11,7 Prozent der Befragten „Schnelligkeit" als entscheidend angaben, überrascht nun doch in einem Land, in dem Geschwindigkeitsbegrenzungen nach den Worten des Bundesverkehrsministers "gegen den gesunden Menschenverstand" verstößt.

Und die Frage, ob sie bereit wären, "für ein reines Elektroauto mehr Geld auszugeben als für einen Pkw mit Verbrennungsmotor", verneinten zwei Drittel (65,4%) der Befragten, 42,7 Prozent antworteten sogar „auf keinen Fall". Mehrausgaben für ein vermeintlich umweltfreundlicheres Fahrzeug befürworten nur ein Viertel der Befragten (25,3%), wobei nur jeder Elfte (9,0%) „auf jeden Fall" mehr Geld in die Hand nehmen würde.

Nicht bei mir

Da scheint es nur konsequent, dass auch jeder Vierte (26,2%) „auf keinen Fall" will, dass Windkraftanlagen in der eigenen Region errichtet werden. Weitere 17,5 Prozent finden, dies sollte „eher nicht" geschehen. Diesen 43,7 Prozent Ablehnung stehen allerdings 42,7 Prozent positive Meinungsäußerungen entgegen - wenngleich nicht so dezidiert: Jeder Fünfte (19,5%) sagte auf die Civey-Frage, „ja, auf jeden Fall". 23,2 Prozent tendierten hingegen zum abgeschwächten „eher ja".

Übrigens: Das "Sankt-Florians-Prinzip" ist eine international verbreitete Methode: im englischsprachigen Raum heißt sie "Nimby-Policy" - "not in my back-yard!"

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