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Die Civey Zahlen zur Bundestagswahl 2017

Seit Januar hat Civey gemeinsam mit Spiegel Online den wöchentlichen Wahltrend zur Bundestagswahl erhoben. Wir zeigen Ihnen, was sich seitdem getan hat. Wie ist die Stimmung zwei Tage vor der Wahl?

Politik | auswertung | 22.09.2017

Es ist viel passiert in den letzten neun Monaten. Martin Schulz wurde nach Sigmar Gabriel neuer Parteichef und Kanzlerkandidat der SPD, in der AfD sorgten Personalquerelen und Machtkämpfte für mediale Aufmerksamkeit, im Saarland, in Schlewsig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen wurde ein neuer Landtag gewählt, Terroranschläge unter anderem in Berlin, Barcelona, London und Paris brachten das Thema Innere Sicherheit zurück auf die Agenda und der Dieselskandal trübte das positive Image der deutschen Automobilindustrie.

Wie haben diese Ereignisse den Wahltrend beeinflusst? Hatten sie eine Auswirkung auf die Parteipräferenzen der Wähler? Und wie ist die Stimmung kurz vor der Bundestagswahl? Spiegel Online hat seit Jahresbeginn einmal pro Woche die Ergebnisse unserer Sonntagsfrage veröffentlicht. Civey zeigt Ihnen die wichtigsten Ereignisse im Überblick.

Bundestagswahltrend: Was bisher geschah

Wäre am 1. Januar Bundestagswahl gewesen, wäre die Wahl noch wie folgt ausgegangen: 34 Prozent hätten für die Union gestimmt, 21 Prozent für die SPD, die AfD wäre mit 13,6 Prozent drittstärkste Kraft geworden, gefolgt von Grüne und Linke mit jeweils 10,4 Prozent, die FDP hätte den Einzug in den Bundestag mit 5,7 Prozent gerade noch so geschafft.

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In den folgenden Wochen profitierte die Union offenbar von der Terror- und Sicherheitsdebatte nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachstmarkt an der Gedächtniskirche im Dezember. Bis zum 24. Januar kletterten CDU/CSU auf 37,1 Prozent. Die Grünen hingegen verloren nach Bekanntgabe ihres Spitzenduos Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt in der Wählergunst und schafften es nur noch auf 9,3 Prozent.

Nachdem Sigmar Gabriel überraschend seinen Parteivorsitz aufgegeben und den Europaparlamentarier Martin Schulz als neuen starken Mann für die SPD präsentiert hatte, kletterten die Umfragewerte für die Sozialdemokraten konstant in die Höhe, vor allem auf Kosten von Union und AfD. Am 7. Februar war die Union zurück bei 34 Prozent, die SPD lag bei 27,2 Prozent, die AfD kam noch auf 11,3 Prozent. Eine Woche später titelte Spiegel Online: "Die Kleineren haben ein Schulz-Problem". Die SPD legte weiterhin zu, die Linke lag mittlerweise bei 8,3 Prozent und die Grünen sogar nur bei 7,7 Prozent.

Der "Schulz-Zug" hatte volle Fahrt aufgenommen und schien zunächst nicht zu bremsen. Ende Februar wünschte sich sogar eine Mehrheit der Deutschen Martin Schulz zum nächsten Bundeskanzler. Zur gleichen Zeit knackte die SPD die 30-Prozent-Marke. Gleichzeitig mussten Linke und Grüne weitere Einbußen verzeichnen.

Am 21. März schaffte die SPD es unter "Mr. 100 Prozent" Martin Schulz, der ohne Gegenstimme zum Parteichef gewählt worden war, die Union im Wahltrend für ein paar Tage zu überholen.

Schon im Februar bezweifelte allerdings eine Mehrheit der Deutschen, dass der Aufschwung der Sozialdemokraten unter Martin Schulz von langer Dauer sein würde. Anfang April konnte die Union mit 34,3 Prozent wieder einen deutlichen Vorsprung erzielen und sollte sich in den folgenden Wochen wieder mehr und mehr von der SPD absetzen. Ende April fielen die Sozialdemokraten wieder unter 30 Prozent. Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 14. Mai musste die SPD eine krachende Niederlage einstecken. Den ganzen Mai über sollte es für die SPD im Bund ziemlich konstant bergab gehen.

Ende Juni fiel die SPD sogar wieder auf ihren schlechtesten Wert seit Ende Januar und liegt seitdem zwischen 22 und 25 Prozent.

Auch die AfD konnte nach Februar lange kein zweistelliges Ergebnis mehr erzielen. Die sogenannte "Holocaust-Rede" des Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke hat auch innerhalb der Partei für Kontroversen gesorgt. Dass Parteichefin Frauke Petry im April auf die Spitzenkandidatur verzichtete und das Feld für Alice Weidel und Alexander Gauland räumte, brachte der AfD nicht den gewünschten Aufschwung.

Die Union hingegen kletterte im Mai auf 37 bis 38 Prozent der Stimmen und konnte sich seitdem ziemlich stabil über 36 Prozent halten, zeitweise knackte sie sogar die 40-Prozent-Marke. Und das, obwohl das Image von Verkehrsminister Dobrindt (CSU) nach den Kartellvorwürfen gegenüber der deutschen Autoindustrie deutlich angeknackst war. Nach dem TV-Duell am 3. September gab es noch einmal einen kleinen Aufschwung für die Union. Sie stieg in den Tagen danach kurzzeitig um 2 Prozentpunkte. Bei der SPD hatte das Duell keinen merklichen Einfluss auf den Wahltrend.

Eine schwarz-gelbe Mehrheit schien bereits Ende Mai in greifbare Nähe zu rücken. Die FDP erzielte bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen mit 12,6 Prozent ihr historisch bestes Ergebnis in NRW. Sie stieg in Folge bis Ende Juni auf 9,4 Prozent und hält sich seitdem zwischen 8 und 10 Prozent.

Auch die Linke erreichte Mitte Juni, kurz nach Vorstellung ihres Wahlprogramms, mit 10,4 Prozent ihren Höchststand und wäre kurzzeitig die drittstärkste Kraft gewesen, wenn zu diesem Zeitpunkt gewählt worden wäre. Auch die Linke bewegt sich seitdem zwischen 8 und 10 Prozent.

Die Grünen hingegen befanden sich von Januar bis Anfang März in einem Abwärtstrend, von dem sie sich nicht mehr richtig erholen konnten. Am 7. März erzielten sie mit 6,3 Prozent ihr bisher schlechtestes Ergebnis im Civey Wahltrend. Über die 9-Prozent-Marke sind sie seitdem nicht mehr gestiegen und bewegten sich größtenteils zwischen 6,5 und 8,5 Prozent.

Die letzten Tage vor der Wahl haben insbesondere der AfD noch einmal Aufwind verschafft. Am Dienstag vor der Wahl landete sie bei 11,1 Prozent und damit an dritter Stelle nach Union und SPD. Gleichzeitig verloren Union und SPD auf die letzten Meter noch einmal etwas an Stimmen und erreichten noch je 35,9 Prozent (CDU/CSU) beziehungsweise 21,9 Prozent (SPD) der Stimmen.

Endstand der Civey-Sonntagsfrage zur Bundestagswahl

Am Freitag vor der Wahl sähe das Ergebnis wie folgt aus: Die Union könnte ihr überragendes Ergebnis von 2013 (41,5%) nicht halten, führte aber nach wie vor mit 36,2 Prozent der Stimmen deutlich vor der SPD. Auch die Sozialdemokraten verlören im Vergleich zur letzten Bundestagswahl über 3 Prozentpunkte und kämen mit 22 Prozent auf ihr historisch schlechtestes Ergebnis.

Die Verluste der beiden Regierungsparteien kämen den kleinen Parteien zugute. Zwei Tage vor der Wahl liefern sich AfD (10,3%), die Linke (9,8%) und FDP (9,6%) ein knappes Rennen um Platz 3. Nicht profitieren könnten die Grünen: mit 7,7 Prozent der Stimmen würden sie sich im Vergleich zu 2013 sogar etwas verschlechtern.

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Wie andere Umfragen auch, ist die Civey Sonntagsfrage zur Bundestagswahl keine Prognose für die Wahlergebnisse am Sonntag. Sie stellt die Wahlpräferenz der Befragten zum aktuellen Zeitpunkt dar.

Die Umfrage lief vom 15.09.2016 bis zum 22.09.2017. Die genaue Fragestellung lautete bis zum 16.06. "Wen würden Sie wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre?", ab dem 17.07. lautete sie "Wen wählen Sie bei der Bundestagswahl am kommenden Sonntag?". Die Stichprobengröße begträgt 10.049 repräsentativ Befragte. Der statistische Fehler liegt bei 2,5 Prozent.

Alle Auswertungen rund um die Bundestagswahl im Civey Countdown.

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