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Welche Spitzenkandidaten punkten bei den Wählern?

Wir haben die Deutschen gefragt, wie Sie die verschiedenen Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl beurteilen. Nur zwei Kandidaten kommen dabei gut weg.

Politik | auswertung | 20.09.2017

Angela Merkel, Martin Schulz, Christian Lindner, Cem Özdemir & Katrin Göring-Eckardt, Alice Weidel & Alexander Gauland, Sahra Wagenknecht & Dietmar Bartsch - das sind die Spitzenkandidaten der sechs größten Parteien zur Bundestagswahl. Wir haben die deutschen Wähler befragt, wie sie diese beurteilen. Aus den Positiv- und Negativ-Antworten haben wir ein Ranking erstellt. Dabei zeigt sich: ingesamt werden nur die Spitzenkandidaten zweier Parteien von den Deutschen mehrheitlich positiv bewertet - Christian Lindner für die FDP und Angela Merkel für die Union.

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Platz 1: Christian Lindner (FDP)

Im Wahlkampf setzte die FDP voll und ganz auf Parteichef und Spitzenkandidat Christian Lindner. Er ziert fast jedes Wahlplakat und ist der Star im modernen Wahlwerbespot der Freien Demokraten. Entsprechend groß ist der Anteil der Deutschen, der den FDP-Spitzenkandidat im Wahlkampf für wichtiger als das Wahlprogramm hält.

Die Strategie der Partei scheint aufgegangen zu sein: Insgesamt fast die Hälfte der Deutschen (48,1%) beurteilen Christian Lindner positiv als FDP-Spitzenkandidat, 18,1 Prozent sogar "sehr".

Neben den FDP-Anhängern selbst kann Lindner vor allem bei den Anhängern von CDU/CSU punkten. Hier beurteilen ihn insgesamt 70,2 Prozent positiv, rund ein Viertel sogar "sehr" (25,8%). Auch AfD-Anhänger bewerten ihn als Spitzenkandidaten mehrheitlich positiv (44,2 Prozent). Am schlechtesten fällt das Urteil bei den SPD-Anhängern aus mit 49,5 Prozent "Negativ"-Stimmen. Überraschend: selbst unter den Anhängern der Linken sagen noch 29 Prozent, dass sie Lindner positiv bewerten.

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Platz 2: Angela Merkel (CDU/CSU)

Obgleich eine Mehrheit der Deutschen mit der Arbeit der Union in der Regierung unzufrieden ist, erfreut sich die amtierende Bundeskanzlerin nach wie vor großer Beliebtheit. Insgesamt gut die Hälfte der Deutschen (50,8%) findet es gut, dass Merkel die Spitzenkandidatin der Union ist, 26,5 Prozent sehen das sogar "sehr positiv". In unserem Ranking landet sie trotzdem nur auf Platz 2, weil insgesamt deutlich mehr Menschen sie "sehr negativ" beurteilen (18,6%).

Besonders gut kommt Angela Merkel als Spitzenkandidatin auch bei den Anhängern der FDP (61,7%) und der Grünen (62%) an. Selbst unter den Anhängern der Linken kommt sie noch auf 32,5 Prozent "Positiv"-Stimmen. Am schlechtesten beurteilt wird sie von der Anhängerschaft der AfD (78,2%), der sonstigen Parteien (51%) und der SPD (50,6%).

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Platz 3: Sahra Wagenknecht & Dietmar Bartsch (die Linke)

Das Spitzenduo der Linken schneidet im Vergleich etwas schlechter ab. Insgesamt 40,9 Prozent der Deutschen beurteilen die Arbeit von Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch schlecht, 17,6 Prozent sogar "sehr". Immerhin 34 Prozent der Deutschen sehen die beiden Kandidaten hingegen "eher" oder sogar "sehr positiv". Rund jeder Vierte (25,1%) ist unentschieden.

In Gegenden mit sehr niedriger und niedriger Kaufkraft (durchschnittlich zwischen ca. 11.000 und 21.000 Euro pro Einwohner und Jahr) überwiegt dabei die positive Bewertung der beiden Spitzenkandidaten (40,2% beziehungsweise 36,7% "Positiv"-Stimmen). Insgesamt lässt sich sagen: je niedriger die regionale Kaufkraft, desto besser die Beurteilung des Linken-Spitzenduos.

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Eine Auswertung nach Parteianhängerschaft zeigt: nicht nur bei den Anhängern der Linken selbst können Wagenknecht und Bartsch punkten. Auch die Anhänger der Grünen und der SPD bewerten die beiden noch mehrheitlich positiv (43,9% bei den Grünen, 37,9% bei der SPD). Bei der AfD fällt das Urteil noch bei 30,9 Prozent der Anhänger positiv aus.

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Platz 4: Martin Schulz (SPD)

Als Martin Schulz im Januar 2017 seine Kandidatur für die SPD bekannt gab, gingen die Umfragewerte für die Sozialdemokraten durch die Decke. Im März lag die SPD sogar vor der Union. In den Medien war vom "Schulz-Effekt", "Schulz-Zug" oder "Schulz-Hype" die Rede. Dieser sollte allerdings nicht lange vorhalten.

Bei der Gesamtbevölkerung kommt Martin Schulz als SPD-Spitzenkandidat deutlich schlechter an als das Linken-Spitzenduo und belegt in unserem Ranking Platz 4. Mehr als die Hälfte der Deutschen (55,4%) beurteilt ihn negativ, rund jeder Vierte sogar "sehr". Ingesamt 30,3 Prozent bewerten seine Kandidatur hingegen positiv.

Bei fast der Hälfte der Anhänger von Linke und Grüne schneidet Martin Schulz gut ab. Der Anteil der Unentschiedenen ist mit 24,3 Prozent bei den Anhängern der Grünen am höchsten. Besonders negativ bewerten ihn die Anhänger von CDU/CSU (77,3%) und AfD (84,5%).

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Geteilter Meinung über Martin Schulz sind nur die jungen Wähler zwischen 18 und 29 Jahren. Im Februar 2017 hätte Martin Schulz in dieser Altersgruppe als Bundeskanzler sogar noch deutlich mehr Stimmen bekommen als Angela Merkel (50,7% für Schulz, 36,5% für Merkel).

Heute beurteilen insgesamt 42,5 Prozent der 18- bis 29-Jährigen seine Kandidatur positiv, 16,8 Prozent sogar "sehr positiv". 44,2 Prozent in dieser Altersklasse sehen das jedoch anders. In allen anderen Altersgruppen ist das Urteil recht ähnlich und fällt insgesamt deutlich schlechter aus als bei den unter 30-Jährigen.

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Platz 5: Katrin Göring-Eckardt & Cem Özdemir (Grüne)

Auch Kartin Göring-Eckardt und Cem Özdemir können bei den Wählern nicht punkten. Mit 25,8 Pozent ist der Anteil der Unentschiedenen bei diesen Spitzenkandidaten zudem am höchsten. Insgesamt 53,2 Prozent beurteilen die Arbeit des Spitzenduos der Grünen negativ.

Da die "Positiv"-Antworten mit insgesamt 21 Prozent noch geringer ausfallen als bei Martin Schulz, belegen die beiden Rang 5 in unserem Ranking. Der Anteil der Befragten, die ihre Arbeit als "sehr positiv" sehen, ist mit 2,9 Prozent außerdem unter allen Spitzenkandidaten am geringsten.

Auch bei den Grünen-Anhängern selbst ist die Zahl der Unentschiedenen mit 21,9 Prozent recht hoch. Die Anhänger keiner anderen Partei sind sich bei ihren eigenen Spitzenkandidaten so unsicher. 61 Prozent der Wähler, die ihr Kreuz am Sonntag bei den Grünen machen wollen, beurteilen das Spitzenduo positiv. Knapp positiv fällt das Urteil mehrheitlich nur noch bei den Anhängern der SPD aus.

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Ähnlich wie bei Martin Schulz, fällt das Urteil der 18- bis 29-Jährigen auch für das das Grünen-Spitzenduo insgesamt besser (26,2%) aus als beim Rest der Bevölkerung. Das deckt sich auch mit den Zahlen aus dem SPON-Wahltrend, den Spiegel Online einmal wöchentlich mit unserer Sonntagsfrage veröffentlicht: Die Grünen sind bei den 18- bis 29-Jährigen überdurchschnittlich beliebt und wären zuletzt von 14,3 Prozent der Wähler in dieser Altersgruppe gewählt worden.

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Platz 6: Alexander Gauland & Alice Weidel (AfD)

Abgeschlagen auf dem letzen Platz liegt das Spitzenduo der AfD. Das Urteil über die Arbeit von Alexander Gauland und Alice Weidel fällt sogar bei über der Hälfte der Deutschen "sehr negativ" aus (51,8%). Insgesamt 16,6 Prozent bewerten die beiden Kandidaten hingegen positiv.

Außer AfD-Anhängern selbst (mit 81,8%) gibt es keine andere Partei, deren Anhänger mehrheitlich zu einer guten Bewertung kommen, im Gegenteil: bei mehr als 85 Prozent der Anhänger von Union, SPD, Grüne und Linke fällt das Urteil schlecht aus. Nur bei der FDP finden sich ein paar Sympathisanten für das AfD-Spitzenduo: Hier beurteilen immerhin noch 12,5 Prozent der Anhänger die Arbeit der beiden Kandidaten positiv.

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Deutliche Unterschiede zeigen sich im Ost-West-Vergleich: 23,6 Prozent der ostdeutschen Bevölkerung sehen die Arbeit von Weidel und Gauland für die AfD insgesamt positiv. In den alten Bundesländern sind es nur 15 Prozent. Noch größer sind die Unterschiede in der negativen Beurteilung. 72,3 Prozent "Negativ"-Stimmen in Westdeutschland stehen insgesamt 58,1 Prozent in Ostdeutschland gegenüber.

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Bei den Umfragen handelt es sich um laufende Befragungen. Ergebnisse im Umfragefeld werden in Echtzeit ermittelt und können daher von den hier aufgeführten Ergebnissen abweichen. Civey hat im August und September 2017 mehr als 5.000 Teilnehmer repräsentativ befragt. Der statistische Fehler für die Gesamtergebnisse beträgt jeweils 2,5 Prozent.

*Methodik des Scorings:

  1. Doppelte Wertung der Prozentzahlen für die Antworten "Sehr positiv" bzw. "Sehr negativ"
  2. Addition der Prozentzahlen für die Antworten "Sehr positiv" und "Eher positiv" (Top Box )
  3. Addition der Prozentzahlen für die Antworten "Eher negativ" und "Sehr negativ" (Bottom Box)
  4. Differenzbildung: Top Box minus Bottom Box

Formel: ("Sehr psitiv"x2+"Eher positiv")-("Eher negativ"+"Sehr negativ"x2)

Alle Auswertungen rund um die Bundestagswahl im Civey Countdown.

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