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Countdown BTW17

Wahlkampfranking zur Bundestagswahl 2017

Schlapp und langweilig? Oder spannend und abwechslungsreich? Wie fanden die Deutschen den Wahlkampf zur Bundestagswahl? Welche Partei konnte überzeugen? Civey hat nachgefragt.

Politik | auswertung | 24.09.2017

Seit Anfang August sind Deutschlands Straßen mit Wahlplakaten zur Bundestagswahl gepflastert. Seit einem Monat werden die Wahlwerbespots der Parteien im Fernsehen und im Internet ausgestrahlt. Direktkandidaten der verschiedenen Wahlkreise besuchten in den letzten Wochen potentielle Wähler direkt bei sich zu Hause oder warben in den Fußgängerzonen für ihre Partei. Und die Spitzenkandidaten reisten durch ganz Deutschland, um Reden vor ihren Anhängern zu halten und die letzten Unentschlossenen zu mobilisieren.

Welche Parteien führten den überzeugendsten Bundestagswahlkampf? Und wie beurteilen die Anhänger der verschiedenen Parteien den Wahlkampf ihrer Partei?

Keine Partei lieferte einen überzeugenden Wahlkampf

Civey hat die Deutschen gefragt, wie überzeugend sie die Wahlkämpfe der verschiedenen Parteien fanden. Aus den Antworten haben wir ein Ranking erstellt mit dem Ergebnis: keine Partei führte aus Wählerperspektive einen überzeugenden Wahlkampf.

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Am wenigsten schlecht schneidet noch die FDP ab, gefolgt von Union und der Linken. Besonders wenig überzeugend wird der Wahlkampf von SPD, AfD und Grünen empfunden.

Platz 1 im Wahlkampfranking: FDP

In den Augen aller Wahlberechtigten führte die FDP noch den überzeugendsten Bundestagswahlkampf unter allen Parteien. Insgesamt 31,8 Prozent der Deutschen sehen das so. Fast die Hälfte (49,1%) konnte der Wahlkampf der Freien Demokraten jedoch nicht überzeugen.

Die FDP liegt nicht nur in unserem Wahlkampfranking vorne, sie kann auch in anderen Bereichen bei den Wählern punkten. So ist Christian Lindner unter allen Spitzenkandidaten der beliebteste bei den Deutschen. Eine Mehrheit der Wahlberechtigten würde zudem den Wiedereinzug der Freien Demokraten in den Bundestag begrüßen.

Außer potentiellen FDP-Wählern halten vor allem Anhänger der Unionsparteien mit 51 Prozent den Wahlkampf der Liberalen noch mehrheitlich für überzeugend. Bei AfD-Anhängern sind es noch 28,4 Prozent. Bei den Anhängern der SPD kam der Wahlkampf der FDP mit 68,2 Prozent Ablehnung hingegen am schlechtesten an.

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Platz 2 im Wahlkampfranking: CDU/CSU

Bundeskanzlerin Angela Merkel schien sich im Wahlkampf durch nichts aus der Ruhe bringen zu lassen. Auf die Frage bei der Bundespressekonferenz Ende August, ob sie sich selbst eigentlich als langweilig empfinde, konterte sie: Es könne ja sein, dass andere es langweilig fänden, wenn man sich nicht ständig gegenseitig beschimpfe. Sie selbst habe jedenfalls einen sehr interessanten Wahlkampf.

58,1 Prozent der deutschen Wähler sind vom Wahlkampf der Union allerdings nicht überzeugt, 28,5 Prozent sogar überhaupt nicht. Rund ein Viertel (insgesamt 26,2%) sieht das anders. 15,7 Prozent sind untentschieden.

Punkten konnte die Union mit ihrem Wahlkampf am ehesten noch bei den älteren Wählern. 30,9 Prozent der Über-65-Jährigen fanden den Wahlkampf von CDU/CSU eher oder sogar sehr überzeugend. Bei den 30- bis 39-Jährigen sieht dies nur rund jeder Fünfte (20,8%) so.

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Mit Ausnahme der Unionsanhänger fanden die Anhänger keiner der aufgeführten Parteien den Wahlkampf von CDU/CSU mehrheitlich überzeugend. Am wohlwollendsten beurteilen noch FDP-Anhänger den Unions-Wahlkampf (29,7%). Am wenigsten punkten konnte die Union bei Anhängern der AfD (87,3% Ablehnung).

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Platz 3 im Wahlkampfranking: die Linke

Den dritten Platz belegt die Linke. Hier beurteilen noch 16 Prozent der Deutschen den Wahlkampf als überzeugend. Mit 17,7 Prozent ist der Anteil der Unentschiedenen bei der Linken am höchsten. Bei insgesamt 64,3 Prozent kam der Wahlkampf der Linken hingegen nicht gut an.

Eine Auswertung nach Parteianhängerschaft zeigt: positiv wird der Wahlkampf der sozialistischen Partei neben Linken-Anhängern selbst auch noch von 24 Prozent der SPD- sowie 28,5 Prozent der Grünen-Anhänger beurteilt. Rund vier von fünf Anhängern von Union, FDP und AfD sind hingegen nicht überzeugt.

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Platz 4 im Wahlkampfranking: SPD

Mit ihrem neuen Parteichef und Kanzlerkandidaten Martin Schulz legten die Sozialdemokraten im Januar und Februar eine rasante Aufholjagd auf die Union hin und konnten im März sogar kurzzeitig die Führung im Wahltrend übernehmen. Lange sollte sich dieser Trend allerdings nicht halten.

Eine Mehrheit der Deutschen hält Martin Schulz für weniger glaubwürdig als Angela Merkel. Rund drei Viertel der Deutschen (75,5%) konnte der Wahlkampf der SPD nicht überzeugen.

Bemerkenswert ist, dass selbst 41 Prozent der SPD-Anhänger vom Wahlkampf ihrer bevorzugten Partei nicht überzeugt sind. Am schlechtesten kommen die Sozialdemokraten weg bei den Anhängern der FDP (91,5%), der AfD (88,3%) und der Union (86,3%).

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Platz 5 im Wahlkampfranking: AfD

Die Alternative für Deutschland kann im Wahlkampf zwar insgesamt mehr Deutsche überzeugen als SPD und Linke, gleichzeitig beurteilen allerdings mit Abstand die meisten Deutschen den AfD-Wahlkampf als "auf keinen Fall" überzeugend (51,7%). Dies ist der Grund, warum die AfD in unserem Wahlkampfranking hinter der SPD auf Platz 5 landet.

Nur die eigenen Anhänger beurteilen den Wahlkampf der AfD mehrheitlich positiv. Von einer großen Mehrheit aller anderen Partei-Anhänger (mit Ausnahme der sonstigen Parteien) wird er hingegen als nicht überzeugend empfunden.

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In Gegenden mit geringer und mittlerer Kaufkraft wird der Wahlkampf der AfD etwas besser bewertet. Wo den Menschen durchschnittlich nach Steuerabzügen und sonstigen Abgaben noch zwischen etwa 11.000 und 22.400 Euro pro Person und Jahr vom Einkommen übrig bleibt, halten rund 20 bis 23 Prozent der Bevölkerung den Wahlkampf der AfD für überzeugend. Auch wünschen sich in Regionen mit sehr geringer Kaufkraft deutlich mehr Menschen, dass die AfD den Einzug in den Bundestag schafft.

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Platz 6 im Wahlkampfranking: die Grünen

Die Grünen konnten die 10-Prozent-Marke in unserem Wahltrend seit Januar nicht mehr knacken. Der zeitliche Verlauf der Sonntagsfrage deutet darauf hin, dass dies auch mit der Wahl ihres Spitzenduos zusammenhängen könnte. In unserem Spitzenkandidaten-Ranking belegen die Grünen mit Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt den fünften Platz. Schlechter werden nur die Spitzenkandidaten der AfD beurteilt.

Der Wahlkampf der Grünen kann insgesamt nur 9,4 Prozent der Deutschen überzeugen. Das ist der geringste Wert unter allen aufgeführten Parteien.

Die Grünen sind die einzige Partei, bei der nicht einmal die eigenen Anhänger mehrheitlich vom Wahlkampf überzeugt sind. Nur ein Drittel der Grünen-Anhänger beurteilt den Wahlkampf in dieser Hinsicht positiv (33,2%). 42,4 Prozent der potentiellen Grünen-Wähler finden den Wahlkampf hingegen nicht überzeugend.

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Etwas besser fällt die Wahlkampfbeurteilung bei den jüngeren Wählern aus. Rund jeder Fünfte der 18- bis 29-Jährigen findet den Wahlkampf der Grünen überzeugend. Das deckt sich auch mit den Ergebnissen unseres Spitzenkandidaten-Rankings. Das Grünen-Spitzenduo kommt bei der jüngeren Generation deutlich besser an als bei den älteren Deutschen.

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Bei den Umfragen handelt es sich um laufende Befragungen. Ergebnisse im Umfragefeld werden in Echtzeit ermittelt und können daher von den hier aufgeführten Ergebnissen abweichen. Civey hat im August und September mehr als 5.000 Teilnehmer repräsentativ befragt. Der statistische Fehler für die Gesamtergebnisse beträgt jeweils 2,5 Prozent.

*Methodik des Scorings:

  1. Doppelte Wertung der Prozentzahlen für die Antworten "Ja, auf jeden Fall" bzw. "Nein, auf keinen Fall"
  2. Addition der Prozentzahlen für die Antworten "Ja, auf jeden Fall" und "Eher ja" (Top Box )
  3. Addition der Prozentzahlen für die Antworten "Eher nein" und "Nein, auf keinen Fall" (Bottom Box)
  4. Differenzbildung: Top Box minus Bottom Box

Formel: ("Ja, auf jeden Fall"x2+"Eher ja")-("Eher nein"+"Nein, auf keinen Fall"x2)

Alle Auswertungen rund um die Bundestagswahl im Civey Countdown.

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