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Countdown BTW17

Wähler begrüßen Comeback der FDP

Bei der letzten Bundestagswahl im Jahr 2013 scheiterte die FDP zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik an der Fünf-Prozent-Hürde. Wie stehen die Deutschen heute zu den Liberalen?

Politik | auswertung | 19.09.2017

Die Chancen stehen gut für einen Wiedereinzug der FDP in den Bundestag. Unter Parteichef und Spitzenkandidat Christian Lindner konnte sich die Partei von ihrem Wahldebakel bei der letzten Bundestagswahl erholen und konkurriert momentan mit Grüne, Linke und AfD um den dritten Platz im Wahltrend.

Wie steht die Wahlbevölkerung zur FDP? Haben ihre Positionen im Bundestag gefehlt? Sollte sie - als Regierungspartei oder in der Opposition - wieder einen Platz im Parlament haben? Civey hat nachgefragt.

Vier von zehn Deutschen haben die FDP vermisst

Rund die Hälfte der Deutschen (49,5%) denkt zwar nicht, dass die Positionen der FDP in der politischen Debatte in Deutschland in den letzten vier Jahren gefehlt haben. Insgesamt immerhin 41,9 Prozent sehen das jedoch anders. 15,1 Prozent denken sogar, dass die Stimme der FDP in der letzten Legislaturperiode "auf jeden Fall" gefehlt hat.

Besonders fehlte die Partei erwartungsgemäß den Anhängern der FDP selbst (93,8%). Auch eine Mehrheit der Unionsanhänger (66%) hat die Stimme der FDP vermisst. Den Anhängern aller anderen Parteien haben die Freien Demokraten jedoch mehrheitlich nicht im Bundestag gefehlt. Am ehesten fehlte die FDP noch der AfD-Anhängerschaft (40,3%).

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In Regionen mit geringer Kaufkraft können die Menschen am ehesten auf die Positionen der FDP verzichten. So sagen in Gegenden, wo die durchschnittliche Kaufkraft sehr gering ist (zwischen ca. 11.000 und 19.400 Euro pro Einwohner und Jahr), 57,6 Prozent der Einwohner, dass ihnen die Liberalen nicht in der Politik gefehlt haben. Anders sieht es aus in Regionen mit sehr hoher durchschnittlicher Kaufkraft (zwischen ca. 24.400 und 51.600 Euro pro Einwohner und Jahr). Hier hat eine knappe Mehrheit von 46,5 Prozent die Stimme der FDP in der politischen Debatte vermisst.

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Mehrheit begrüßt Wiedereinzug der FDP in den Bundestag

Obwohl eine Mehrheit der Deutschen die Positionen der FPD in den letzten vier Jahren nicht vermisst hat, würden die meisten trotzdem ihren Wiedereinzug in den Bundestag positiv bewerten (insgesamt 52,8%) - knapp ein Viertel sogar "sehr" (24,6%).

Dieses positive Ergebnis ist vor allem den Anhängern der Unionsparteien geschuldet, die aktuell das Gros der Wählerschaft ausmachen. Viele Unionswähler würden die FDP als Juniorpartner vermutlich einer Großen Koalition mit der SPD vorziehen. Das zeigt auch unser Koalitionen-Ranking: Eine Mehrheit der Unionsanhänger erwartet vor allem positive Veränderungen von einer schwarz-gelben Koalition. Dementsprechend würden 83 Prozent der Wähler, die vorhaben, ihr Kreuz bei der CDU/CSU zu machen, einen Wiedereinzug der FDP ins Parlament begrüßen.

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Besonders interessant: in spärlich besiedelten Gegenden wird ein mögliches Comeback der Freien Demokraten deutlich besser bewertet als in städtischen Regionen. 59,2 Prozent der Deutschen in Regionen mit sehr niedriger Bevölkerungsdichte (weniger als 150 Einwohner pro Quadratkilometer) sähen die FDP gerne wieder im Bundestag. In Gegenden mit sehr hoher Bevölkerungsdichte (mindestens 5.000 Einwohner pro Quadratkilometer) sind es nur 45,2 Prozent.

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Marktwirtschaft - Alleinstellungsmerkmal der FDP?

Wenn für große Teile der Bevölkerung die Positionen der FDP in der politischen Debatte gefehlt haben, dann stellt sich natürlich die Frage, weshalb? Wirtschaftspolitik zählt zu den vermeintlichen Kernkompetenzen der FDP. Sie tritt aus eigener Sicht für eine "Soziale Marktwirtschaft als liberale Werteordnung" ein: weniger Bürokratie, geringere Steuerlast, weniger staatliche Intervention.

Civey hat gefragt, ob die FDP die Partei ist, die aktuell am stärksten marktwirtschaftliche Prinzipien vertritt. Die Mehrheit der Deutschen (46,7%) bejaht dies.

Allerdings ist die Antwort auf diese Frage auch abhängig davon, was man unter "marktwirtschaftlichen Prinzipien" versteht. So stimmen die Anhänger der verschiedenen Parteien in dieser Frage erwartungsgemäß wenig überein.

Für eine große Mehrheit der FDP-Anhänger (90,9%) und auch eine Mehreit der Unionsanhänger (54,4%) zählt das Eintreten für marktwirtschaftliche Prinzipien zum Steckenpferd der Freien Demokraten. Auch die meisten Anhänger der Grünen sehen das so (49,3%).

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Bei Anhängern der Linken und der AfD zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Hier glauben die meisten Wähler nicht, dass die FDP am stärksten für marktwirtschaftliche Prinzipien eintritt. Das kann entweder daran liegen, dass in den Augen der Linken- und AfD-Anhänger eine andere Partei (wie z. B. die Union) ähnlich starke Positionen vertritt, oder aber, dass die Partei der eigenen Wahl hier mit der FDP konkurriert.

So hat sich die AfD in ihrem Gründungsjahr 2013 unter dem Eindruck der Griechenlandkrise vor allem um die Themen Währungspolitik und Europapolitik aufgestellt. Die Rückkehr zur D-Mark ist nach wie vor eine zentrale Wahlkampf-Forderung der Partei. Möglicherweise sehen AfD-Anhänger marktwirtschaftliche Prinzipien daher am ehesten von der Partei der eignen Wahl vertreten.

Den Wahlkampf bestimmt vor allem der Spitzenkandidat

Marktwirtschaft hin oder her - den Wahlkampf entscheidet vor allem der Spitzenkandidat Christian Lindner. Das glauben zumindest 64,9 Prozent der Wahlberechtigten. 29 Prozent denken sogar, Lindner ist im Wahlkampf der FDP "auf jeden Fall" wichtiger als das Wahlprogramm.

Das sieht selbst eine Mehrheit der FDP-Anhänger so. 51,8 Prozent der Wähler, die ihr Kreuz am Sonntag bei den Liberalen machen wollen, sind der Ansicht, dass der Spitzenkandidat wichtiger ist als das Wahlprogramm.

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Ob und wie sich der Wahlkampf für die FDP auszahlt, sehen Sie in unserem aktuellen Wahltrend.

Bei den Umfragen handelt es sich um laufende Befragungen. Ergebnisse im Umfragefeld werden in Echtzeit ermittelt und können daher von den hier aufgeführten Ergebnissen abweichen. Civey hat im August und September mehr als 5.000 Teilnehmer repräsentativ befragt. Der statistische Fehler für die Gesamtergebnisse beträgt jeweils 2,5 Prozent.

Alle Auswertungen rund um die Bundestagswahl im Civey Countdown.

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