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So denkt Deutschland über die AfD

Wie beurteilen die Deutschen den Einzug der AfD in den Bundestag? Würde sich die Lage im Land verbessern, wenn die AfD im Bund mitregierte? Civey hat nachgefragt.

Politik | auswertung | 21.09.2017

Die AfD spaltet das Land. 2013 scheiterte die Partei im Bund noch an der Fünf-Prozent-Hürde. Mittlerweile ist sie im EU-Parlament und in 13 Landtagen vertreten und der aktuelle Wahltrend deutet darauf hin, dass auch der Einzug in den Bundestag in greifbare Nähe rückt. Während einige Wähler die Positionen und Forderungen der Partei als echte Alternative gegenüber den sogenannten etablierten Parteien begrüßen, hinterfragen andere, ob es sich bei der AfD überhaupt um eine demokratische Partei handelt.

Mehrheit der Deutschen hält AfD für verfassungsfeindlich

Verfassungsrechtler und Juristen kritisieren schon länger, dass das Grundsatzprogramm der AfD gegen das Grundgesetz verstoße. Zuletzt bezeichnete Justizminister Heiko Maas (SPD) in einem Gastbeitrag für für die "Frankfurter Rundschau" Teile des AfD-Wahlporgramms als verfassungswidrig.

Eine Mehrheit der Deutschen (63,8%) sieht das genauso. 42,9 Prozent der Bevölkerung gehen sogar "auf jeden Fall" davon aus, dass die AfD verfassungsfeindliche Ziele verfolge. Insgesamt 29,9 Prozent der Deutschen widersprechen dieser Annahme.

Deutlich gespaltener ist man in Ostdeutschland. In den neuen Bundesländern glaubt nur knapp die Hälfte der Bevölkerung (48,4%), dass die AfD verfassungsfeindliche Ziele verfolge. 43,6 Prozent sehen das im Osten anders. In Westdeutschland hingegen denken nur 26,2 Prozent, dass die Ziele der AfD verfassungskonform seien.

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Berachtet man die Ergebnisse nach Parteianhängerschaft, ergibt sich: mit Ausnahme der AfD-Anhänger glauben die Anhänger fast aller Parteien jeweils mit großer Mehrheit (jeweil mehr als drei Viertel), dass die AfD verfassungsfeindliche Ziele umsetzen möchte. Etwas weniger harsch fällt das Urteil nur bei den FDP-Anhängern aus: hier sind insgesamt 59,4 Prozent der Ansicht, dass die Ziele der AfD gegen das Grundgesetz verstößen. Mehr als jeder fünfte FDP-Anhänger (22,1%) glaubt dies jedoch nicht.

Eine Mehrheit sagt aber auch: die AfD benennt unliebsame Fakten

Obwohl sechs von zehn Deutschen an der demokratischen Ausrichtung der AfD zweifeln, glaubt gleichzeitig mehr als die Hälfte (52,8%), dass die AfD als einzige Partei Wahrheiten ausspreche, die sich sonst niemand zu sagen traut.

Besonders häufig vertreten Menschen in Ostdeutschland und in Regionen mit besonders niedriger Bevölkerungsdichte diese Meinung.

In den neuen Bundesländern glauben insgesamt 62 Prozent, dass die AfD unliebsame Wahrheiten ausspreche, 40,6 Prozent sogar "auf jeden Fall". Im Westen denken dies hingegen nur insgesamt 50,4 Prozent.

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Je geringer die Bevölkerungsdichte, deso eher bejahen die Einwohner die Frage, ob die AfD als einzige Partei Wahrheiten ausspreche, die sonst keiner zu benennen wagt. Entsprechend häufiger wird die Frage verneint, je höher die Bevölkerungsdichte. So bejahen in sehr ländlichen Regionen (mit weniger als 150 Einwohner pro Quadratkilometer) insgesamt 60,1 Prozent die Frage. In eher ländlichen Regionen (zwischen 150 und 300 Einwohner pro Quadratkilometer) sind es noch 54,2 Prozent.

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In sehr urbanen Regionen hingegen überwiegen die "Nein"-Antworten. Wo mehr als 5.000 Einwohner pro Quadratkilometer leben, glauben nur noch 45,6 Prozent, dass die AfD Dinge anspreche, die sich sonst keiner zu thematisieren traut. 50,5 Prozent widersprechen dieser Meinung.

Unter den AfD-Anhängern bejaht eine übergroße Mehrheit die Frage (99,3%). Bei den Anhängern aller anderen aufgeführten Parteien zeigt sich erneut ein Unterschied zwischen FDP-Anhängern und dem Rest der Wähler: Neben den AfD-Anhängern selbst denken nur die Anhänger der Freien Demokraten mehrheitlich, dass die AfD Fakten benenne, die sonst keiner anspricht (59,4%). Am stärksten widersprechen dieser Sichtweise die Anhänger der Grünen (80,9%).

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Soll die AfD in den Bundestag?

Dass die AfD in den Augen der meisten Deutschen als einzige Partei auf bestimmte Probleme und Themen aufmerksam macht, die bei den anderen Parteien vermeintlich unter den Tisch gekehrt werden, kann aber trotzdem keine Mehrheit davon überzeugen, dass ihr ein Platz im Parlament zustehe. Rund zwei Drittel der Deutschen (66,4%) würden den Einzug der Partei in den Bundestag negativ bewerten, mehr als die Hälfte (52 Prozent) sogar "sehr".

Auch hier zeigt sich wieder ein merklicher Unterschied zwischen alten und neuen Bundesländern: Im Osten würden 35,5 Prozent die AfD gerne im Parlament sehen, in Westdeutschland hingegen nur 24 Prozent. Dementsprechend größer ist der Anteil der Wähler in Westdeutschland, die den Einzug der AfD negativ bewerten würden (68,7% im Westen gegenüber 57,2% im Osten).

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Punkten kann die AfD auch in Regionen mit geringerer Kaufkraft. Wo die Menschen durchschnittlich im Jahr zwischen 11.000 und 19.400 Euro abzüglich Steuern und Abgaben zur Verfügung haben (sehr geringe Kaufkraft), würden 38,3 Prozent einen Einzug der AfD in den Bundestag begrüßen. In Gegenden, in denen die durchschnittliche Kaufkraft etwas höher ist (zwischen 19.400 und 21.000 Euro) zeigt sich bereits ein merklicher Unterschied: Hier sähe nur noch rund ein Viertel (25,8 Prozent) die AfD gerne im Parlament.

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Die Anhänger keiner der aufgeführten Parteien würden mehrheitlich den Einzug der AfD in den Bundestag begrüßen. Erneut sind es jedoch vor allem FDP-Anhänger, die der AfD gegenüber etwas wohlwollender gesinnt sind: Gut ein Viertel (25,7%) fänden es gut, wenn die AfD im Parlament vertreten wäre.

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Würde die AfD in der Regierung Deutschland verbessern?

Und in der Regierung? Würde die AfD hier einen Wandel zum Wohle der Bevölkerung anstoßen? Soziale Gerechtigkeit ist nicht nur bei SPD und der Linken ein zentrales Wahlkampfthema, auch die AfD hat sich unter Parteichefin Frauke Petry dieses Thema auf die Fahnen geschrieben. "Wir sind uns einig, dass die deutsche Gesellschaft seit Jahren eine immer weiterführende Spaltung erlebt. Die Mittelschicht verarmt, die Familien sind hoch belastet", referierte Petry nach dem erfolgreichen Einzug der AfD in den Landtag in Sachsen-Anhalt im März 2016. Die AfD übe "Solidarität gegenüber den Schwachen" und wolle "den Sozialstaat bewahren".

Soziale Gerechtigkeit ist für die deutschen Wähler das Top-Thema im Bundestagswahlkampf. Die AfD kann hier allerdings nicht bei einer Mehrheit punkten.

Rund drei Viertel der Wahlberechtigten (74,4%) denken nicht, dass sich die Lage der Menschen in Deutschland durch die AfD als Regierungspartei verbessern würde, 63,1 Prozent denken das sogar "auf keinen Fall". Immerhin noch 18,7 Prozent erwarten hingegen eine Verbesserung der Lage der Deutschen durch die AfD in der Bundesregierung.

Mehr Hoffnungen als der bundesweite Durchschnitt setzen Menschen in Regionen mit geringer Kaufkraft auf die AfD. Die AfD als "Anwalt der Geringverdiener"? Diese Strategie scheint zumindest in Teilen aufzugehen. Wo im Haushalt nach steuerlichen Abzügen weniger Einkommen übrigbleibt, erwarten prozentual mehr Menschen eine Verbesserung ihrer Lage durch die AfD. In Regionen mit sehr geringer Kaufkraft erhofft sich rund ein Viertel der Bevölkerung (25,1%) eine Verbesserung durch die Afd in der Bundesregierung.

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Regierung mit der AfD vorerst ausgeschlossen

Die Chancen der AfD es in die Bundesregierung zu schaffen, sind allerdings gleich Null. Bereits im Mai 2016 haben sowohl SPD und Union jede Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen. Bundeskanzlerin Angela Merkel bestätigte diesen Entschluss noch einmal im August: Weder mit der AfD noch mit der Linken sei eine "irgendwie geartete Zusammenarbeit denkbar".

Eine große Mehrheit der Deutschen (60,2%) sieht diese Entscheidung der Bundeskanzlerin "sehr positiv". Immerhin 23 Prozent beurteilen es allerdings negativ, dass die Union eine Koalition mit der AfD ausschließt. Das sind mehr Stimmen als die AfD im aktuellen Wahltrend für sich verbuchen kann.

Das liegt vor allem an den Wählern, die ihr Kreuz am Sonntag bei der FDP machen wollen: 17,8 Prozent der FDP-Anhänger beurteilen es negativ, dass Merkel eine Regierungskoalition mit der AfD ausgeschlossen hat.

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Wie es aktuell um den Einzug der AfD in den Bundestag steht, zeigen wir Ihnen bis Freitag vor der Wahl noch in Echtzeit in unserem Bundestagswahltrend.

Bei den Umfragen handelt es sich um laufende Befragungen. Ergebnisse im Umfragefeld werden in Echtzeit ermittelt und können daher von den hier aufgeführten Ergebnissen abweichen. Civey hat im September 2017 mehr als 5.000 Teilnehmer repräsentativ befragt. Der statistische Fehler für die Gesamtergebnisse beträgt jeweils 2,5 Prozent.

Alle Auswertungen rund um die Bundestagswahl im Civey Countdown.

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