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Bundestagswahl Spezial: Welche Partei überzeugt bei den wichtigsten Themen?

Soziale Gerechtigkeit, Außenpolitik, Migration, Innere Sicherheit und Wirtschaft. Das sind die fünf Top-Themen zur Bundestagswahl. Diesen Parteien trauen die Wähler dabei am meisten zu.

Politik | auswertung | 17.09.2017

Höhere Steuern für Vielverdiener, Einführung einer Obergrenze für Flüchtlinge, Umstellung der Stromversorgung auf 100 Prozent Erneuerbare Energien, mehr Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen, kostenlose Kitaplätze, und und und... Dies sind nur einige Forderungen, die sich in den Wahlprogrammen der zur Bundestagswahl antretenden Parteien finden.

Während die SPD sich unter Kanzlerkandidat Martin Schulz das Thema "Soziale Gerechtigkeit" groß auf die Fahnen geschrieben hat, beruft sich die Union in ihrem Wahlporgramm vor allem auf bisherhige Erfolge und konzentriert sich auf Sicherheit und Stabilität. Die Grünen legen ihren Fokus neben Umweltthemen auch auf Familie und Integration und die AfD setzt Schwerpunkte bei den Themen Innere Sicherheit und Migration.

Civey hat zu elf verschiedenen Themen die Frage gestellt: Wie wichtig ist Ihnen persönlich dieses Thema bei der Bundestagswahl 2017. Die zur Auswahl gestellten Themen waren: Umwelt und Klima, Digitalisierung, Gleichstellung, Außen- und Sicherheitspolitik, Europa, Kinder & Familie, Wirtschaft, Gesundheit, Migration, Soziale Gerechtigkeit und Innere Sicherheit.

Wir haben die Ergebnisse miteinander verglichen und ein Ranking der fünf wichtigsten Themen erstellt.

ranking-themen-100-min Im Folgenden zeigen wir, welche Partei die Wahlberechtigten auf diesen Gebieten für die jeweils kompetenteste halten. Die Kurzversion für die Bereiche Sozialpolitik, Außenpoliitk und Migrations- und Integrationspolitik gibt es in unserem Bundestagsspezial Video:

Für die Umfragen hat Civey zwischen Juni und September 2017 über 5.000 Personen repräsentativ befragt. Die Ergebnisse im Video beziehen sich auf den 12. Septmeber 2017. Der statistische Fehler der Umfragen liegt bei jeweils 2,5 Prozent.

Platz 1: Soziale Gerechtigkeit

Angesichts des zentralen Wahlkampfthemas der SPD scheint es nicht weiter verwunderlich, dass die meisten Deutschen in der Sozialpolitik der SPD die größte Kompetenz zuschreiben (30,2%). Dies ist allerdings auch das einzige der fünf wichtigsten Themen, bei dem die SPD die Wahlberechtigten am meisten überzeugen kann. Knapp jeder Vierte (23,7%) hält die Union hier für fähiger. Die Sozialpolitik ist auch das einzige Thema, bei dem der Abstand zwischen dem Erstplatzierten und dem Zweitplatzierten relativ gering ist (7,5% zwischen SPD und Union). Für die Linke als kompetenteste Partei haben sich noch 18,1 Prozent der Deutschen entschieden.

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Sogar 17,3 Prozent der Unions-Anhänger glauben, dass die Sozialdemokraten hier mehr Kompetenzen haben, unter den Anhängern der Linken halten 12,5 Prozent die SPD für fähiger auf diesem Gebiet. Unsere Auswertung nach Parteipräferenz zeigt, wie Union und SPD auf diesem Gebiet bei den Anhängern aller Parteien abschneiden.

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Trotzdem sind nur 22,7 Prozent der Deutschen der Meinung, dass es der SPD in den letzten vier Jahren in der Regierung gelungen ist, für mehr soziale Gerechtigkeit zu sorgen. Zwei Drittel (66,4%) sind hingegen der Ansicht, die SPD habe nicht für mehr soziale Gerechtigkeit gesorgt.

Das mag daran liegen, dass der SPD als Juniorpartner in der Großen Koalition die Hände mehr oder weniger gebunden waren, dass sie also womöglich wollte, aber nicht konnte. Andererseits wird der SPD seit Gerhard Schröders „Agenda 2010“ und den Hartz-Gesetzen auch ein Glaubwürdigkeitsproblem unterstellt.

Erwartungsgemäß konkurriert die SPD bei diesem Thema auch mit der Linken, vor allem in Regionen mit sehr geringer Kaufkraft (durchschnittlich weniger als 20.000 Euro pro Einwohner und Jahr). Hier kommt die Linke auf 24,5 Prozent, die SPD nur auf 23,2 Prozent. Je höher die Kaufkraft, desto stärker steigen die Werte für SPD und Union.

Auch im Ost/West-Vergleich zeigt sich ein anderes Bild. In den neuen Bundesländern schneidet die Linke mit 28,2 Prozent als kompetensteste Partei in der Sozialpolitik deutlich besser ab als die SPD (21,8%).

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Insgesamt zeit sich: Je älter die Befragten, desto mehr vertrauen sie der Union in diesem Bereich. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen halten nur 15,9 Prozent die CDU/CSU für die fähigste Partei in der Sozialpolitik. In dieser Altersgruppe ist der Wert für die SPD mit 36,6 Prozent am stärksten. Bei den über 65-Jährigen liegen die beiden Parteien hingegen sehr nah beieinander (30,7% für die Union, 33,2% für die SPD).

Platz 2: Außen- und Sicherheitspolitik

In der Außenpolitik liegt die Union mit 43,6 Prozent der Stimmen deutlich vor der SPD, und das, obwohl die SPD mit Sigmar Gabriel aktuell den Außenminister stellt. Die Sozialdemokraten halten nur 22 Prozent der Wahlberechtigten für die Partei mit der größten Kompetenz beim Thema Außenpolitik. Alle anderen Parteien rangieren im einstelligen Prozentbereich.

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Auch 16,2 Prozent der SPD-Anhänger selbst halten die Union hier für die fähigere Partei. Insgesamt hält jedoch eine Mehrheit der Anhänger von SPD, Linken und Grünen die Sozialdemokraten für kompetenter in der Außenpolitik.

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Vor allem im Westen kann die Union auf diesem Gebiet deutlich mehr überzeugen. 45,4 Prozent der Wahlberechtigten in den alten Bundesländern halten die Union für die Partei mit der meisten Expertise in der Außenpolitik, im Osten entscheiden sich 36,9 Prozent für die Union.

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Platz 3: Migration

Beim Thema Migrations- und Integrationspolitik sind die Deutschen gespaltener. Der Union sprechen 26,6 Prozent die größte Kompetenz zu, obgleich einer Mehrheit der Deutschen Merkels Umgang mit der Flüchtlingskrise nicht in positiver Erinnerung geblieben ist. Zuwanderung und Asylpolitik zählten im Wahlkampf allerdings auch zu den zentralen Themen der AfD. Bei den Deutschen kann die AfD mit ihren Positionen auf diesem Gebiet punkten: Sie liegt in unserer Umfrage mit 19 Prozent der Stimmen auf Platz zwei und damit sogar noch vor der SPD (16,5%).

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Auch bei diesem Thema zeigen sich deutliche Unterschiede in den verschiedenen Altersgruppen. Auch hier gilt: Je älter die Befragten, desto größer das Vertrauen in die Union. So kommen CDU/CSU bei den über 65-Jährigen auf 34,8 Prozent, bei den 18- bis 29-Jährigen hingegen gerade mal auf 19,7 Prozent der Stimmen. In der jüngsten Altersgruppe liegt die SPD mit 21 Prozent sogar knapp vor der Union.

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In den neuen Bundesländern kann die AfD die Union sogar überholen. Hier halten 23 Prozent die AfD für die kompetenteste Partei auf dem Gebiet der Zuwanderungs- und Flüchtlingspolitik. Die Unionsparteien kommen im Osten auf 21,1 Prozent der Stimmen.

Bundesweit zeigt sich auch hier eine Korrelation zur Kaufkraft. Je geringer die Kaufkraft der jeweiligen Region, desto mehr Prozentpunkte erhält die AfD. So liegt sie in Regionen mit sehr geringer Kaufkraft mit 22,1 Prozent nur 0,8 Prozentpunkte hinter der Union (22,9%). In Regionen mit sehr hoher durchschnittlicher Kaufkraft (zwischen ca. 25.000 und 52.000 Euro pro Einwohner und Jahr) kommt die Union auf 28,2 Prozent und liegt damit 11,6 Prozentpunkte vor der AfD (16,6 Prozent).

Außer den AfD-Anhängern selbst sind es vor allem die Anhänger der FDP und sonstiger Parteien, die der AfD bei Migration und Integration die größte Kompetenz zuschreiben (12,4% der FDP-Anhänger, 14,9% der Anhänger anderer Parteien). Unsere Grafik vergleicht die Stimmen für Union und AfD unter den Anhängern aller Parteien.

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Platz 4: Innere Sicherheit

Die Innere Sicherheit zählt traditionell zu den Kernkompetenzthemen der Unionsparteien und hatte auch in diesem Wahlkampf für CDU/CSU Priorität. Die CSU bezeichnet sich selbst in ihrem Parteiprogramm sogar als „die Partei der Inneren Sicherheit“. So kann die Union auch bei diesem Thema deutlich mehr als alle anderen Parteien überzeugen: 45,4 Prozent der Deutschen glauben, dass CDU/CSU am ehesten in der Lage sind, in Deutschland für innere Sicherheit zu sorgen.

Allerdings konkurriert die Union auf diesem Gebiet mit der AfD. Auch die AfD hat die "Innere Sicherheit in all ihren Facetten" zum "Wahlkampfthema Nr. 1" erklärt.

Und tatsächlich ist die AfD in unserer Umfrage mit 16,4 Prozent der Stimmen die zweithäufigst ausgewählte Antwortoption und landet damit erneut sogar noch vor der SPD (13,5%).

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Vor allem AfD-Anhänger selbst sind erwartungsgemäß von der Kompetenz ihrer Partei bei der inneren Sicherheit überzeugt (84%). Daneben schreiben aber auch einige Anhänger der anderen Parteien hier der AfD am meisten Exptertise zu. Am größten ist der Zuspruch unter den Anhängern der FDP und der sonstigen Parteien. Bei der FDP glauben 11,3 Prozent, dass die AfD eher für innere Sicherheit sorgen kann als die eigene Partei (24,2%) Neben den Unions-Anhängern selbst (93,6%) halten auch FDP- und Grüne-Anhänger mehrheitlich die Union für die kompetenteste Partei (55,2% bei FDP, 40,6% bei den Grünen) Einzig die SPD-Anhänger halten die Partei ihrer Wahl für fähiger im Bereich Innere Sicherheit (55,1%).

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In Ostdeutschland liegen die Werte für die AfD höher als im Westen. Hier trauen 19,5 Prozent der Wahlberechtigten der AfD am ehesten zu, in Deutschland für innere Sicherheit zu sorgen. Im Westen kommt die AfD auf 15,8 Prozent, liegt aber auch hier immer noch knapp vor der SPD (14,7%). Ingesamt geringer ist das Vertrauen in CDU/CSU und SPD im Osten bei diesem Thema. Der Unterschied beträgt jeweils mehr als 5 Prozentpunkte.

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Platz 5: Wirtschaft

Auch in der Wirtschaft vertrauen die Wähler deutlich häufiger der Union als den anderen Parteien. 45,3 Prozent der Deutschen glauben, dass CDU/CSU die meisten Kompetenzen in der Wirtschaftspolitik haben. Das mag auch dem wirtschaftlichen Aufschwung der letzten Jahre unter der Großen Koalition geschuldet sein. Im Jahr 2016 stieg das Bruttoinlandsprodukt um 1,9 Prozent, im ersten Quartal 2017 um weitere 0,6 Prozent.

Hier kann allerdings die FDP ein erstes Comeback verbuchen: insgesamt 14,7 Prozent der Deutschen halten die Freien Demokraten für die kompetenteste Partei in der Wirtschaftspolitik. Die SPD liegt erneut (wenn auch sehr knapp) auf dem dritten Platz (14,2%).

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Selbst unter den Anhängern der SPD halten 25 Prozent die Union für fähiger in der Wirtschaftspolitik. Die Mehrheit der SPD-Anhänger entscheidet sich hier allerdings für die Partei der eigenen Wahl (53,3%). Alle anderen Parteianhänger (mit Ausnahme der FDP-Anhängerschaft) sehen die Union auf Platz 1. Unter den FDP-Anhängern selbst sehen noch 34,3 Prozent die Union kompetenter als die FDP (57,5%).

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Im Wahlkampf setzt die FDP vor allem auf Zugpferd und Spitzenkandidat Christian Lindner. Der Parteichef wird nach eigenen Angaben als "modernen Widerstandskämpfer" inszeniert, der Wahlwerbespot zielt komplett auf die sozialen Netzwerke, arbeitet mit modernen Schnitttechniken und beschäftigt sich mit Netz-Themen.

Diese Strategie scheint vor allem bei den jüngeren Deutschen aufzugehen: 22,3 Prozent der 18- bis 29-Jährigen halten die FDP für die kompetenteste Partei in der Wirtschaftspolitik. Damit ist der Abstand zur Union in dieser Altersgruppe am geringsten (30,1% für die Union). Allgemein lässt sich sagen: Je älter die Befragten, desto größer das Vertrauen in CDU/CSU bei der Wirtschafspolitik, je jünger desto größer das Vertrauen in die FDP.

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Große Unterschiede zeigen sich hier auch zwischen städtischen und ländlichen Regionen. Je geringer die Bevölkerungsdichte, also je ländlicher die Region, desto stärker ist das Vertrauen in die Union in der Wirtschaftspolitik. In Gegenden mit weniger als 150 Einwohner pro Quadratkilometer kommt die Union auf 50,5 Prozent der Stimmen. Aber auch in sehr dicht besiedelten Gegenden (mehr als 5.000 Einwohner pro Quadratkilometer) führt die Union noch deutlich mit 39 Prozent.

Bei den beiden führenden Parteien zeigt sich auch ein interessanter Unterschied zwischen den Geschlechtern. Während Frauen der Union mehr Kompetenzen in der Wirtschaft zutrauen als Männer (Frauen: 48,2%, Männer: 42,2%), ist es bei der FDP genau umgekehrt. 17,9 Prozent der Männer halten die FDP für die kompetentere Partei, bei den Frauen sind es 11,5 Prozent.

Bei den Umfragen handelt es sich um laufende Befragungen, die teilweise seit Juni 2017 online sind. Ergebnisse im Umfragefeld werden in Echtzeit ermittelt und können daher von den hier aufgeführten Ergebnissen abweichen. Die Stichprobengrößen vom 13. September 2017 betragen jeweils über 5.000 Teilnehmer. Der statistische Fehler für die Gesamtergebnisse liegt bei 2,5 Prozent.

*Methodik des Rankings:

  1. Doppelte Wertung der Prozentzahlen für die Antworten "Sehr wichtig" bzw. "Gar nicht wichtig"
  2. Addition der Prozentzahlen für die Antworten "Sehr wichtig und "Eher wichtig" (Top Box )
  3. Addition der Prozentzahlen für die Antworten "Eher unwichtig und "Gar nicht wichtig" (Bottom Box)
  4. Differenzbildung: Top Box minus Bottom Box*

Formel: ("Sehr wichtig"x2+"Eher wichtig")-("Weniger wichtig"+"Gar nicht wichtig"x2)

Alle Auswertungen rund um die Bundestagswahl im Civey Countdown.

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