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Nicht alle deutschen Anleger scheuen das Risiko

Die meisten Bundesbürger haben in der Vergangenheit eher einen Bogen um Börsen gemacht. Sicher soll die Geldanlage in der Vorstellung der Anleger sein - und sich möglichst gut verzinsen lassen.

Bei der Geldanlage sind die Deutschen konservativ. 16,2 Prozent greifen in erster Linie auf Tagesgeldkonten zurück. Rund jeder Zehnte nutzt bevorzugt das Sparbuch (10,5%). In Zeiten niedriger Zinsen, in denen Bundesanleihen nur noch 0,3 Prozent Rendite im Jahr abwerfen, lohnen sich diese klassischen Geldanlagen jedoch kaum mehr. Aktien und Fondsanteile versprechen eine höhere Rendite, bergen aber gleichzeitig auch ein höheres Verlustrisiko, das die wenigsten Deutschen zu tragen bereit sind. Die “vorherrschende Präferenz für liquide und risikoarme Anlagen” prägte laut Bundesbank auch im zweiten Quartal 2017 das Anlageverhalten der Deutschen.

Gleichzeitig zeichnet sich ein neuer Trend ab. Bereits Anfang 2016 stellte die Bundesbank „merkliche Investitionen in Aktien und sonstige Anteilsrechte“ fest. Demnach investierten private Haushalte im ersten Quartal des letzten Jahres gut zehn Milliarden Euro in diese Anlageformen. Auch in diesem Jahr hätten die privaten Haushalte laut Bundesbank ihr Engagement in Aktien und Anteilen an Investmentfonds erneut merklich ausgeweitet. Gut 10 Milliarden wurden im zweiten Quartal 2017 in Anteile an Investmentfonds gesteckt, knapp zwei Milliarden in Aktien und sonstige Anteilsrechte.

So risikobereit sind die deutschen Anleger

Werden die Deutschen risikobereiter? Im Allgemeinen lässt sich diese Frage nicht bejahen. So sind 72,1 Prozent der Bundesbürger nicht bereit, für die Aussicht auf einen höheren Gewinn bei der Geldanlage ein höheres Risiko einzugehen, 28 Prozent sogar “auf keinen Fall”. Insgesamt würden nur 18,7 Prozent der Deutschen für einen höheren Gewinn auch ein größeres Verlustrisiko in Kauf nehmen.

Es gibt jedoch deutliche Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen: Jüngere Deutsche zeigen sich im Allgemeinen deutlich risikobereiter als ältere. So würden 27,6 Prozent der 18- bis 29-Jährigen ein erhöhtes Risiko bei der Geldanlage für einen höheren Gewinn in Kauf nehmen.

grafik_geldanalge_risiko_altersgruppen

Gleichzeitig ist die Risikobereitschaft bei Männern merklich stärker ausgeprägt als bei Frauen. Etwa jeder vierte Mann scheut das Verlustrisiko für die Aussicht auf eine satte Rendite nicht (26,6%) - bei den Frauen trifft das nur auf rund jede zehnte (11%) zu.

So sehen risikobereite deutsche Anleger aus

Betrachtet man die Zielgruppe der risikofreudigen Anleger genauer, zeigt sich: Der idealtypische Deutsche mit Hang zum Risiko bei der Geldanlage ist männlich (69,2%), verheiratet (57,9%), lebt in einer Region mit hoher Kaufkraft (49,3%), hat Abitur (37%) und ist zwischen 50 bis 64 Jahre alt (26,5%).

Obwohl ältere Deutsche in der Regel weniger risikofreudig sind als jüngere, bilden sie aufgrund ihres hohen Anteils an der Gesamtbevölkerung auch innerhalb der risikobereiten Anleger die Mehrheit. 22,6 Prozent in dieser Gruppe sind hingegen zwischen 18 und 29 Jahre alt, gemessen an ihrem Anteil in der Gesamtbevölkerung (15,9%) sind das überdurchschnittlich viele.

Umfrage Ergebnisse Risikobereitschaft bei Geldanlagen nach Alter

Die Selbsteinschätzung bei der Risikobereitschaft hat unmittelbaren Einfluss auf das Anlageverhalten der Deutschen. Von den risikofreudigen Bundesbürgern planen mehr als die Hälfte (54,1%) den Kauf von Aktien oder Fondsanteilen in den kommenden zwölf Monaten.

Ein Fünftel aller Deutschen will in den nächsten 12 Monaten in Aktien oder ähnliche Anlageformen investieren

Risikobereitschaft hin oder her, in der deutschen Gesamtbevölkerung gibt immerhin rund ein Fünftel an, innerhalb der kommenden zwölf Monate Aktien oder Fondsanteile erwerben zu wollen. 8,9 Prozent haben dies sogar “auf jeden Fall vor”.

Bei den Umfragen handelt es sich um laufende Befragungen. Ergebnisse im Live-Umfragetool werden in Echtzeit ermittelt und können daher von den hier aufgeführten Ergebnissen abweichen. Civey hat von Juli bis November mehr als 5.000 Teilnehmer pro Umfrage repräsentativ befragt. Der statistische Fehler für die Gesamtergebnisse beträgt jeweils 2,5 Prozent.

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