Civey fragt, wie Deutschland tickt

Arbeit soll sich lohnen

Dass sich Arbeit lohnen soll, ist eine der Forderungen der Neoliberalen, die damit vor allem „Mehr-Arbeitende“ mit „Besser-Verdienern“ gleichsetzen. Doch die Deutschen haben einen anderen Sinn für ausgleichende Gerechtigkeit: Sie sprechen sich mit großer Mehrheit für mehr Geld am unteren Ende der Lohnskala aus.

Mitte Februar fragte Civey: „Wie bewerten Sie den Vorschlag von Andrea Nahles (SPD), das Arbeitslosengeld I für Über-50jährige auf bis zu 33 Monate zu verlängern?“ – und zwei Drittel (63,7%) bewerteten diese Initiative als positiv. 22,9 Prozent der Befragten standen allerdings eher negativ zu diesem Vorschlag.

Deutlicher wurden die Deutschen bei einer ähnlich gelagerten Frage: „Sollten Hartz-IV-Empfänger bei geringfügiger Beschäftigung Ihrer Meinung nach mehr als bisher (max. 20%) von ihrem Lohn behalten können?“ – Hier waren es 81,9 Prozent zustimmende Meinungsäußerung, während die „Nein-Stimmen“ auf 13 Prozent sanken.

Und noch einmal deutliche 74 Prozent finden es „richtig“, wenn „Betreuungskosten (zum Beispiel für Kita, Babysitter oder Haushaltshilfe) steuerlich noch stärker absetzbar wären“. 16,1 Prozent hingegen halten das für „falsch“.

Ähnlich große Zustimmung findet die Frage nach einer möglichen Erhöhung des Mindestlohns, wie sie Bundesfinanzminister Olaf Scholz im November 2018 ins Gespräch gebracht hat: Mehr als die Hälfte der Befragten, (55,8%) hält einen Mindestlohn oberhalb von elf Euro für gerechtfertigt, jeder Vierte (26,5%) findet sogar zwölf Euro oder mehr für angemessen. Der Meinung, dass der Staat hier gar nicht regelnd eingreifen sollte, sind dagegen 6,3 Prozent.

Egal, wie Civey fragt, es besteht eine stabile Mehrheit für die Stärkung der unteren Einkommen. Das mag seinen Grund auch darin haben, dass sich die Deutschen vermehrt Sorgen um ihre finanzielle Zukunft machen, wie Civey zusammen mit dem Tagesspiegel herausfand: Nur 38,6 Prozent machen sich keine Sorgen. 57,9 Prozent der Befragten blicken jedoch durchaus sorgenvoll in die Zukunft – 17,5 Prozent sogar mit großen Sorgen.

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