Nach Ausschreitungen in Chemnitz

Zuwanderung und Rassismus: Es geht ein Riss durch die Bevölkerung

Dutch Muslim Fashion / CC BY-SA 2.0 / mikecogh / bearbeitet von Civey

Die Ereignisse in Chemnitz haben die Gesellschaft aufgerüttelt. Nachdem auf einem Stadtfest ein 35-Jähriger mutmaßlich von einem Syrer und einem Iraker erstochen wurde, formierte sich eine massive Protestbewegung, getragen von AfD, Pegida und der rechtspopulistischen Bewegung Pro Chemnitz.

Während sich die öffentliche Debatte an der Frage zerreibt, ob es im Rahmen der Demonstrationen zu „Hetzjagden” auf Migranten gekommen sei - Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Verfassungsschutz-Chef Maaßen hatten dies dementiert - ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft Dresden in 120 Verfahren wegen Landfriedensbruch, Körperverletzung, Beleidigung und Zeigen des Hitlergrußes. Der erste Demonstrant wurde bereits im Schellverfahren verurteilt.

In der Bewertung dieser Ereignisse geht ein Riss durch die Bevölkerung: Angesichts der Ausschreitungen macht sich mehr als jeder dritte Bundesbürger Sorgen über eine „Mobilisierung von Rechtsextremen” (36,2%). Dem gegenüber steht eine ähnlich große Bevölkerungsgruppe, die sich insbesondere Sorgen über „Kriminalität durch Zuwanderer” (35%) macht. Civey hat sich diese Sorgen genauer angeschaut und nachgefragt.

Zuwanderung und Ausländerfeindlichkeit: Beides bereitet den Deutschen Sorge

Mehr als drei Viertel der Bundesbürger (78,2%) machen sich aktuell Sorgen über die Zuwanderung nach Deutschland, jeder Zweite sogar „große Sorgen”. Nur rund ein Fünftel der Deutschen (21,8%) gibt an, sich wegen der Zuwanderung „keine Sorgen” zu machen.

Zum Vergleich: Über Ausländerfeindlichkeit zeigen sich insgesamt knapp zwei Drittel der Bundesbürger besorgt (65,6%). „Große Sorgen” machen sich allerdings nur 33,5 Prozent. Etwa genauso vielen (34,4%) bereitet Ausländerfeindlichkeit hingegen „keine Sorgen”.

Mehrheit der Grünen-Anhänger macht sich keine Sorgen um Zuwanderung

Die Anhänger aller im Bundestag vertretenen Parteien machen sich mehrheitlich Sorgen um die Zuwanderung nach Deutschland, mit einer Ausnahme: 51 Prozent der Grünen-Anhänger geben an, diesbezüglich sorgenfrei zu sein.

Mit Abstand am besorgtesten zeigen sich die Anhänger der AfD: 95,7 Prozent sagen, dass sie sich „große Sorgen” über die Zuwanderung machen. „Groß“ sind die Sorgen auch unter den Anhängern der FDP (58,4%) und der Union (44,4%).

Anhänger aller Parteien machen sich Sorgen um Ausländerfeindlichkeit - mit Ausnahme der AfD

Betrachtet man die Frage nach der Sorge um Ausländerfeindlichkeit nach Wahlabsicht, erscheinen die Ergebnisse fast spiegelverkehrt. Während die Sorgen über Zuwanderung besonders groß bei den Anhängern von AfD, FDP und Union sind, machen sich beim Thema Ausländerfeindlichkeit die Anhänger der Grünen (59,6%), SPD (58,4) und Linken (54,7%) die größten Sorgen.

Auch hier stechen die Anhänger der AfD unter allen Parteien besonders heraus: Sie sind die einzigen, denen Ausländerfeindlichkeit mehrheitlich „keine Sorgen“ bereitet. Dies sagen sogar 83,3 Prozent.

Die Hälfte der Deutschen hält Alltagsrassismus für ein Problem

Entsprechend der verbreiteten Sorge um Ausländerfeindlichkeit in der Gesamtbevölkerung (65,5%) wird auch Rassismus im Alltag von einer Mehrheit der Bundesbürger (50,2%) als Problem wahrgenommen. 41,9 Prozent denken hingegen, Alltagsrassismus stelle in Deutschland kein Problem dar.

Auch in dieser Frage verlaufen die Meinungsunterschiede entlang der politischen Lager: Während eine große Mehrheit der Anhänger von Grünen (80,7%), Linken (77,2%), und SPD (75%) Alltagsrassismus als Problem wahrnimmt, sehen dies insbesondere AfD-Anhänger anders: 85 Prozent nehmen Rassismus im Alltag nicht als Problem in Deutschland wahr. Auch Anhänger von FDP (58,7%) und Union (49,3%) halten das Thema mehrheitlich für unproblematisch.

Knappe Mehrheit glaubt, das Zusammenleben verschiedener Kulturen bereichere unsere Gesellschaft

Obgleich die Deutschen sich Sorgen um Zuwanderung machen, zeigen sich die meisten dennoch grundsätzlich offen gegenüber dem Neben- und Miteinander verschiedener Kulturen in Deutschland. 47,6 Prozent denken, dass das Zusammenleben von Personen aus verschiedenen Kulturen unsere Gesellschaft bereichere. Allerdings glauben mit 40,1 Prozent auch beträchtliche Teile der Bevölkerung nicht an den Benefit eines Zusammenlebens.

Erneut fallen vor allem die Unterschiede bei einer Auswertung der Frage nach Wahlabsicht auf: Eine große Mehrheit der Anhänger von Grünen (85,7%), SPD (75,7%) und Linke (69,5%) sind der Ansicht, die Gesellschaft profitiere vom Zusammenleben verschiedener Kulturen.

Bei den Anhängern der Unionsparteien glauben dies mit 48,8 Prozent schon deutlich weniger. Die FDP-Anhänger sind eher geteilter Meinung und die AfD-Anhänger bewerten die Situation gänzlich anders als der Rest: 87,3 Prozent denken nicht, dass das Miteinander von Personen aus verschiedenen Kulturen die Gesellschaft bereichere.

Meinungsunterschiede verlaufen entlang der politischen Lager

Die Ergebnisse der Civey Umfragen zeigen: Bei den Themen Zuwanderung und Rassismus gibt es in der Tat große Unterschiede in den Meinungen der Bevölkerung. Sie zeigen sich vor allem in der Parteipräferenz. Dabei vertreten Bürger mit Wahlabsicht SPD, Grüne und Linke in vielen Fragen häufig ähnliche Einstellungen, von denen die Meinung der AfD-Anhänger am deutlichsten abweicht und diesen oftmals fast diametral gegenübersteht. FDP-Anhänger tendieren häufig in eine ähnliche Richtung wie die Anhänger der AfD. Unionsanhänger sind hingegen in vielen Fragen stärker geteilter Meinung.

Und so überrascht es nicht, dass sich eine ähnliche Aufteilung auch in Bezug auf Chemnitz zeigt: Während AfD-Anhänger sich nach den Ereignissen in Sachsen vor allem Sorgen um „Kriminalität durch Zuwanderer” machen (87,1%), gefolgt von den Anhängern der FDP (44%), machen sich Anhänger von Grünen (64,4%), SPD (59,7%) Linken (50,2%) und in diesem Fall auch ein Großteil der Unionsanhänger (47,6%) am meisten Sorgen um eine „Mobilisierung von Rechtsextremen”.

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