Versöhnung in der Union

Nach Asylstreit: Aktuelle Umfragewerte für Seehofer, Merkel und die CSU

Martin Rulsch / Unterzeichnung des Koalitionsvertrages / CC BY-SA 4.0 / bearbeitet von Civey

Der Asylstreit zwischen CDU und CSU ist beigelegt. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Innenminister Horst Seehofer haben am späten Montagabend einen Kompromiss erzielt.

Der Streit ist nicht spurlos an den beiden Schwesterparteien vorübergegangen. Zwischenzeitlich schien es, als würde die CSU-Spitze einen Bruch mit der Kanzlerin bereitwillig in Kauf nehmen. Immer wieder wurde in den vergangenen Wochen spekuliert, ob sich der Innenminister bei einer Nicht-Einigung gegen den erklärten Willen der Kanzlerin gestellt und damit seine Entlassung provoziert hätte. Ein Bruch der jahrzehntealten Fraktionsgemeinschaft aus CDU und CSU hätte wahrscheinlich auch das Ende der Regierungskoalition bedeutet. Die SPD hatte sich für diesen Fall schon vorsorglich auf mögliche Neuwahlen vorbereitet.

Wie geht es nun weiter innerhalb der Union? Hat der Asylstreit die Bundeskanzlerin und den Innenminister gestärkt oder geschwächt? Profitiert die CSU in Bayern von dem Kompromiss? Können CDU und CSU jetzt noch konstruktiv zusammenarbeiten oder wird die Regierungskoalition noch vor der nächsten Bundestagswahl zerbrechen? Civey präsentiert die aktuellsten Umfragewerte.

Deutsche sind der Meinung: Horst Seehofer hat sich im Asylstreit stärker durchgesetzt

47 Prozent der Bundesbürger sind der Ansicht, dass sich Horst Seehofer beim Asylkompromiss stärker durchgesetzt habe als Angela Merkel. 28,5 Prozent denken dies sogar „auf jeden Fall“. Nur 28,4 Prozent sehen den Erfolg hingegen auf Seiten der Kanzlerin und lediglich 11,4 Prozent sehen „auf jeden Fall“ Merkel als Gewinnerin des Asylstreits.

Unter Unionsanhängern fallen die Umfragewerte für Angela Merkel etwas positiver aus: ein Drittel (33,9%) ist der Ansicht, die Kanzlerin habe ihre Agenda stärker durchgesetzt. Doch auch hier ist eine Mehrheit von 40 Prozent der Meinung, dass der Kompromiss für Seehofer vorteilhafter ausfällt als für Merkel.

Mehrheit sieht sowohl Merkel als auch Seehofer als Verlierer des Asylstreits

Dass die meisten Bürger davon ausgehen, dass der Innenminister und CSU-Vorsitzende sich im Asylkompromiss stärker durchsetzen konnte, gibt allerdings noch keinen Anlass zur Euphorie für den Innenminister. Denn die meisten Deutschen glauben nicht, dass Horst Seehofer von diesem Ergebnis politisch profitiere.

Eine große Mehrheit der Befragten hält sowohl Merkel als auch Seehofer durch die Asylauseinandersetzung für „eher“ beziehungsweise „deutlich geschwächt“. Seehofer kommt dabei noch ein wenig besser weg als die Kanzlerin: 61,4 Prozent sehen ihn geschwächt, 31,2 Prozent hingegen gestärkt. Angela Merkel halten 71,1 Prozent für geschwächt und nur 18,6 Prozent für gestärkt.

Unter Unionsanhängern hält jedoch ein größerer Prozentsatz Seehofer für geschwächt (59,8 Prozent) als Merkel (52,9 Prozent). 32,8 Prozent der CDU/CSU-Anhänger sehen Seehofer als gestärkt an, 35,1 Prozent Merkel.

Nur AfD-Anhänger halten Seehofer nach dem Asylstreit für gestärkt

Über alle Parteien hinweg wird Merkel als Verliererin im Asylstreit erachtet. Anders fällt das Ergebnis für Seehofer aus. Die Strategie, vor der Landtagswahl in Bayern einen härteren Kurs in der Asylpolitik zu fahren, um damit Stimmen der AfD-Wähler zurückzugewinnen, könnte vielleicht sogar aufgehen: denn nur gut ein Drittel der AfD-Anhänger (34,1%) sieht Seehofer nach dem Asylstreit als geschwächt an. Die Mehrheit (54,1%) hält ihn hingegen für gestärkt.

Umfragewerte in Bayern: CSU gewinnt nach Asylkompromiss in der Wählergunst

In der Tat scheint sich der harte Kurs der CSU mit ihrem „Masterplan Migration“ in Bayern auszuzahlen, allerdings nur geringfügig. In der Civey Sonntagsfrage für die Augsburger Allgemeine und Spiegel Online legt die CSU im Vergleich zum Vormonat um 1,4 Prozentpunkte zu und kommt aktuell auf 42,5 Prozent der Stimmen. Die AfD in Bayern verliert leicht und liegt noch bei 13,1 Prozent.

Der Wahltrend im zeitlichen Verlauf zeigt die Trendwende in den Umfragewerten für die CSU ab Mitte Juni. Die Christsozialen gewinnen in der Wählergunst, in erster Linie auf Kosten der AfD und der Freien Wähler.

Quo vadis, Union? Die Deutschen halten eine konstruktive Zusammenarbeit nach dem Asylkompromiss nicht für möglich

Wie geht es jetzt im Bund weiter? Werden die Bundeskanzlerin und ihr Innenminister nach ihrer Versöhnung zur Eintracht zurückfinden? Gut drei Viertel der Deutschen (77,7%) halten eine konstruktive Zusammenarbeit nach dem Asylkompromiss für nicht mehr möglich, 32,6 Prozent sogar „auf keinen Fall”.

Das sieht selbst eine Mehrheit der Unionsanhänger (56%) so, obgleich hier der Prozentsatz derjenigen, die noch an eine konstruktive Zusammenarbeit glauben, mit 35 Prozent deutlich größer ist als bei den Anhängern der übrigen Parteien. Unter den Anhängern des Koalitionspartners (SPD) glauben zum Vergleich nur 3,9 Prozent, dass die beiden Schwesterparteien nach dem Asylkompromiss konstruktiv zusammenarbeiten werden.

Sechs von zehn Deutschen rechnen mit einem Bruch der Großen Koalition

Das Wackeln der Fraktionsgemeinschaft aus CDU und CSU in den vergangenen Wochen hat nicht nur die SPD in Alarmbereitschaft versetzt, auch bei den Wählern hat der Asylkonflikt einen messbaren Eindruck hinterlassen. 62,9 Prozent rechnen damit, dass die Regierungskoalition noch vor der nächsten Bundestagswahl im Jahr 2021 zerbrechen werde. Nicht einmal drei von zehn Bundesbürgern (28,1%) rechnen damit, dass sie noch weitere drei Jahre durchhält.

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