Energie

Deutsche bereit für mehr Klimaschutz

Seit diesem Montag ringen die Teilnehmer der Bonner Weltklimakonferenz (COP23) um eine gemeinsame Linie bei der Reduzierung von Treibhausgasen. Ziel ist es, die Beschlüsse des Pariser Klimagipfels zu konkretisieren und so den menschengemachten Klimawandel und die damit verbundene Erwärmung der Atmosphäre soweit wie möglich einzudämmen. Bereits am Samstag haben tausende Menschen in Bonn für ein stärkeres Engagement beim Klimaschutz demonstriert. Unsere Daten zeigen: Die Deutschen sind - mit Abstrichen - mehrheitlich bereit für entschlossenere Maßnahmen zum Klimaschutz.

Neue Regierung beim Kohleausstieg in der Pflicht

International gilt Bundeskanzlerin Angela Merkel seit geraumer Zeit als „Klimakanzlerin“, spätestens wohl seit dem G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau, bei dem sie den Klimaschutz zum zentralen Thema ihrer Pressekonferenz machte. Heute - zwei Jahre später - ist davon, zumindest national, nicht viel geblieben: Nicht nur halten die meisten Bundesbürger die aktuellen Äußerungen der Kanzlerin zum Klimaschutz für nicht mehr als ein Lippenbekenntnis, der Mehrheit der Deutschen scheinen auch angesichts der rasant voranschreitenden Erderwärmung und der drohenden Verfehlung der deutschen Klimaziele die ergriffenen Maßnahmen vorheriger Bundesregierungen nicht weit genug zu gehen. Deckungsgleich mit den Forderungen der Demonstranten bei der Weltklimakonferenz in Bonn, sind daher nahezu zwei Drittel der Bundesbürger für den Kohleausstieg, also für den Verzicht der Förderung und Verbrennung von Kohle zum Zwecke der Energiegewinnung.

Ein entsprechender Vorstoß der Grünen, die 20 CO2-intensivsten Kohlekraftwerke unverzüglich vom Netz zu nehmen, um die deutschen Klimaziele bis 2020 doch noch zu erreichen, stößt während der Sondierungsgespräche bei den Unionsparteien und der FDP allerdings auf wenig Gegenliebe. Diese Reaktion überrascht, betrachtet man den Willen der Wähler: Auch unter den Anhängern von Union und FDP spricht sich eine deutliche Mehrheit für den Ausstieg aus der Kohleverstromung aus.

Kohleausstieg Deutschland Umfrage

Forderungen nach härterer Gangart gegenüber der Automobilindustrie

Auch mit Blick auf die Automobilindustrie scheint sich die Mehrzahl der Bundesbürger von einer zukünftigen Regierung ein beherzteres Vorgehen in Sachen Klimaschutz zu wünschen. So glauben 70 Prozent, dass die Politik beim Thema Luftverschmutzung zu viel Rücksicht auf die Automobilindustrie nehme. Den Vorschlag der Grünen, ab 2030 keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren mehr zulassen zu wollen, lehnen die meisten hingegen ab. Interessant dabei sind allerdings die Unterschiede entlang der Altersgruppen: Während bei den über 65-Jährigen nur etwa 23 Prozent ein Zulassungsverbot für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ab 2030 befürworten, sind es bei den 18- bis 29-Jährigen fast doppelt so viele.

Zulassungsverbot Autos Verbrennungsmotoren 2030 Umfrageergebnisse

Besorgnis: Ja, Verzicht: Jein

Mit Donald Trump steht seit Anfang des Jahres nun ein Mann an der Spitze der wohl mächtigsten Regierung der westlichen Welt, der den Klimawandel für eine Erfindung der Chinesen hält und die Bemühungen der Staatengemeinschaft um mehr Klimaschutz nicht zuletzt auch durch die Ankündigung des Ausstiegs aus dem Pariser Klimaabkommen konterkariert.

The concept of global warming was created by and for the Chinese in order to make U.S. manufacturing non-competitive.

Donald J. Trump (@realDonaldTrump)

  1. November 2012

Zunächst einmal: Über die Existenz des Klimawandels besteht in der Wissenschaft weitestgehend Konsens. Dessen Existenz zu leugnen ist also im besten Fall unseriös. Richtig ist aber auch, dass dies nicht die erste Periode im Bestehen dieses Planeten ist, in der sich die globale Temperatur verändert. Somit handelt es sich beim Klimawandel in Teilen durchaus um ein natürliches Phänomen. Zugleich gibt es in der Wissenschaft allerdings auch wenig Zweifel am zusätzlichen Beitrag des Menschen zum natürlichen Treibhauseffekt. Die Mehrheit der Deutschen ist dabei der Meinung, dass der Klimawandel eher vom Menschen verursacht, statt ein natürliches Phänomen ist. Lediglich die Anhänger der AfD glauben, dass das Gegenteil der Fall ist.

Klimawandel natürliches Phänomen Menschen verursacht Umfrage

Die Folgen des Klimawandels, ob nun vorwiegend ein natürliches oder menschengemachtes Phänomen, bereiten mehr als zwei Dritteln der Bundesbürger Sorge. Womöglich auch deshalb signalisieren große Teile der Bevölkerung die Bereitschaft, sich selbst einzuschränken - wenngleich auch nur bis zu einem gewissen Grad - um den Einfluss des Menschen auf das Klima zu verringern. So sind mehr als 60 Prozent der Deutschen dazu bereit, ihren privaten Energieverbrauch zu reduzieren, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Eine Ausnahme bilden dabei erneut die Anhänger der AfD, die dazu mehrheitlich nicht gewillt sind.

privater Energieverbrauch reduzieren Klimawandel Umfrageergebnis

Doch nicht in allen Bereichen zeigen sich die Deutschen derart bereit zum Verzicht wie beim privaten Energieverbrauch. Ein Beispiel ist die Mobilität: Nur etwa ein Drittel der Bevölkerung kann sich vorstellen, Fahrgemeinschaften für kürzere Strecken zu bilden und für nicht einmal die Hälfte der Bundesbürger käme es infrage, auf Flugreisen zu verzichten, um das Klima zu schützen. Einzige Ausnahmen: Anhänger der Linken und Grünen.

Klimaschutz Flugreisen Verzicht

Prinzip Hoffnung

Bis zum 17. November streiten die Delegierten der Bonner Weltklimakonferenz noch über gemeinsame Richtlinien, um die Vereinbarungen von Paris umzusetzen. Dabei wird es nach dem angekündigten Ausscheiden der USA nun vor allem auf den Gastgeber und dessen „Klimakanzlerin“ ankommen. Allzu viel Hoffnung sollte die Staatengemeinschaft dabei allerdings nicht in die Bundesrepublik setzen, die voraussichtlich nicht nur ihre eigenen Klimaziele verfehlen wird, sondern zugleich in den derzeitigen Jamaika-Sondierungen um eine gemeinsame Linie beim Klimaschutz ringt. Hoffen darf man indes auf den Wähler, dessen Rufe nach größeren Anstrengungen zum Klimaschutz in den kommenden Jahren wohl nicht leiser werden dürften.

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