Nachhaltige Mode

Markt für Ökokleidung noch lange nicht ausgeschöpft

Jacken aus recyceltem Plastik oder Blusen aus Biobaumwolle – immer mehr Hersteller haben Ökomode im Programm. Kaum ein großes Modehaus kommt noch ohne nachhaltige Kleidung oder eine Nachhaltigkeitsstrategie aus. So plant der Versandriese OTTO bis 2020 100 Prozent nachhaltige Baumwolle bei Eigenmarken zu verwenden, die internationale Modekette C&A präsentierte im Februar unter dem Hashtag #WearTheChange ihre neue Fair Fashion Kollektion und H&M brachte bereits zum siebten Mal eine neue „Conscious Exclusive Kollektion“ auf den Markt.

Was die großen Modehäuser als Ökokleidung verkaufen, ist aber nicht automatisch auch fair produziert. Wer garantiert und zu 100 Prozent nachhaltige und faire Kleidung erwerben möchte, findet diese in der Regel nicht im nächsten Modegeschäft um die Ecke, sondern muss sich nach wie vor an spezielle Textilhändler wie Hess Natur, Maas Naturwaren oder El Puente wenden. Die grüne Mode dieser Anbieter hat allerdings ihren Preis.

Civey hat über 44.000 Bundesbürger gefragt, wie zufrieden sie mit dem Angebot an Ökomode in ihrer Nähe sind, ob sie bereit wären, für nachhaltige Mode mehr Geld auszugeben und was sie bisher am meisten daran gehindert hat, Ökokleidung zu erwerben.

Drei von zehn Deutschen haben im letzten Jahr nachhaltige Kleidung gekauft

Obgleich immer mehr Modelabel zunehmend auf Nachhaltigkeit setzen, kauft eine Mehrheit der Bundesbürger nach wie vor konventionell produzierte Kleidung: 40,9 Prozent der Deutschen haben innerhalb der letzten zwölf Monate kein einziges nachhaltiges Kleidungsstück erworben.

Mit 29,2 Prozent ist der Anteil derjenigen, die im letzten Jahr mindestens ein nachhaltig produziertes Kleidungsstück gekauft haben, allerdings nicht unerheblich. Besonders häufig (36,1%) geben Frauen an, in letzter Zeit nachhaltige Mode gekauft zu haben.

Gleichzeitig scheinen die Nachhaltigkeitsstrategien und -bemühungen der Modefirmen bei etlichen Bundesbürgern gar nicht anzukommen: 29,9 Prozent wissen nicht, ob sie in den letzten zwölf Monaten nachhaltige Kleidung gekauft haben oder nicht.

Ökomode ist für viele zu teuer und es gibt zu wenig Händler

Fragt man die Deutschen, was sie am meisten davon abhält, Ökokleidung zu kaufen, verweisen die meisten entweder auf „zu hohe Preise” (24%) oder auf das „zu geringe Angebot in der Umgebung” (22,3%). Besonders bei den Millennials spielt der Preis eine große Rolle: für 36,6 Prozent der 18- bis 29-Jährigen und 35 Prozent der 30- bis 39-Jährigen ist Ökomode zu teuer.

Bei den Frauen fällt auch das Design ins Gewicht: 16,2 Prozent geben ein „zu wenig ansprechendes Design” als Hauptgrund gegen den Kauf von nachhaltig produzierter Kleidung an. Bei den Männern sagen dies nur 8,3 Prozent.

Bemerkenswert: Für gut ein Fünftel (20,9%) der Bundesbürger spricht hingegen „nichts” gegen den Kauf von Ökokleidung.

Vor allem die Käufer von nachhaltiger Mode bemängeln ein „zu geringes Angebot” in ihrer Umgebung

Besonders interessant wird es, betrachtet man diejenigen, die in den letzten zwölf Monaten nachhaltige Kleidung gekauft haben, getrennt von den Deutschen, die dies nicht getan haben. Wer im letzten Jahr ausschließlich konventionell produzierte Kleidung gekauft hat, gibt vor allem „zu hohe Preise“ als Grund für den Verzicht auf Ökomode an (28,5%).

Diejenigen, die in den letzten zwölf Monaten mindestens ein nachhaltig produziertes Kleidungsstück gekauft haben und damit grundsätzlich Interesse an Ökokleidung signalisieren, führen mit 29 Prozent deutlich häufiger das „zu geringe Angebot in der Umgebung” als stärksten Grund gegen den Kauf von ökologischer Mode an. Hier besteht für die Händler folglich noch enormes Potential nach oben.

12.07.18 Nachhaltinge Kleidung Zeichenfläche 1-min

Mehr als die Hälfte der Deutschen würde für Öko-Kleidung mehr Geld ausgeben

Dass das Marktpotential auch im Allgemeinen noch nicht ausgeschöpft ist, wird durch zwei weitere Civey Umfragen bestätigt. Denn obwohl der „zu hohe Preis“ bundesweit die meistgenannte Antwort auf die Frage ist, was am stärksten gegen den Kauf nachhaltiger Kleidung spricht, wären gleichzeitig 54,1 Prozent der Deutschen bereit, für grüne Mode mehr Geld auszugeben. Lediglich 31,5 Prozent geben an, für nachhaltige Mode nicht tiefer in die Tasche greifen zu wollen.

Deutschlandweit besteht ein Bedarf an mehr lokalen Geschäften für nachhaltige Mode

Nicht nur die Käufer nachhaltiger Kleidung bemängeln das Fehlen von nachhaltigen Textilhändlern in ihrer Umgebung, auch insgesamt meint eine Mehrheit der Deutschen (55,6%) es gebe in ihrer Umgebung nicht ausreichend Händler, die nachhaltige Kleidung anbieten. Lediglich 16,6 Prozent sehen das anders. 27,8 Prozent sind unentschieden.

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