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We Gonna Rock Down to Electric Avenue

Es war in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts als man im Londoner Stadtteil Brixton den weltweit ersten Straßenzug, der mit elektrischem Licht beleuchtet wurde, errichtete: Geburtsstunde der Electric Avenue. Nur wenige Jahre vorher hatte Nicolaus August Otto ein Patent auf seinen Viertakt-Verbrennungsmotor erworben. Heute, fast 140 Jahre nach Beginn der Elektrifizierung und dem Startschuss für den Siegeszug des Ottomotors, tritt die Automobilindustrie an - allen voran Tesla mit Starinvestor Elon Musk - flächendeckend Fahrzeuge mit Elektroantrieb auf unsere hell erleuchteten Straßen zu bringen. Wir haben uns gefragt: Sind die Deutschen bereit, den nächsten Schritt auf der Electric Avenue zu gehen?

Verbrennungsmotoren als Klimakiller

Die Automobilindustrie steht vor dem größten Strukturwandel ihrer Geschichte: Das Elektroauto wird aller Voraussicht nach das Fortbewegungsmittel der Zukunft sein. Für viele Experten stellt sich dabei nicht die Frage nach dem ob, sondern lediglich nach dem wann. Der Grund: Es ist klima- und umweltpolitisch unausweichlich.

Der Verkehrssektor verursacht rund 15 Prozent der weltweiten Treibhausgase und trägt damit wesentlich zur Erwärmung der Atmosphäre und dem damit verbundenen Klimawandel bei. Dazu kommen lokale Auswirkung auf die Qualität der Luft, immerhin jenes Gasgemisch, das durch unsere Lungen zirkuliert. Besonders in Ballungsgebieten mit hohem Verkehrsaufkommen wird der Schadstoffausstoß von Fahrzeugen mit reinen Verbrennungsmotoren dabei zum Problem. In vielen deutschen Städten, wie Stuttgart, München oder Düsseldorf, ist die Luft so schlecht, dass die Europäische Kommission bereits angekündigt hat, die Bundesrepublik zu verklagen. Elektromobilität indes - sofern sie ihren Strombedarf aus erneuerbaren Energien bezieht - gilt als klimafreundliche und am weitesten entwickelte Alternative zum derzeitigen Status quo im Verkehrssektor. Damit wird die Technologie zu einem zentralen Baustein bei der Dekarbonisierung unserer Fortbewegung.

Quo vadis Elektroauto?

Das Auto, ob nun mit Verbrennungs- oder Elektroantrieb, ist in Deutschland nach wie vor das am meisten genutzte Verkehrsmittel. Mehr als zwei Drittel der Bundesbürger greifen bei innerdeutschen Reisen vorwiegend auf den eigenen Wagen zurück.

Während Experten aus Politik und Wirtschaft den Siegeszug der Elektromobilität perspektivisch für unvermeidlich halten, scheint die Bundesbevölkerung derzeit allerdings noch skeptisch. Die Mehrheit der Deutschen glaubt zwar, dass sich das Elektroauto langfristig am Markt durchsetzen wird. Weil aber mehr als jeder Zehnte in dieser Frage unentschieden ist, reicht das nicht für eine absolute Mehrheit.

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Dabei kann sich schon heute jeder zweite Bundesbürger grundsätzlich vorstellen, ein Fahrzeug mit Elektroantrieb anzuschaffen, jeder fünfte sogar „auf jeden Fall”.

Gegen eine Anschaffung spricht derzeit für viele insbesondere die geringe Reichweite und der Preis solcher Fahrzeuge. Aber auch das Fehlen nötiger Ladestationen scheint ein wesentliches Argument zu sein.

Nicht ohne meinen Verbrennungsmotor

In Bezug auf die Präferenzen der Deutschen und im direkten Vergleich mit anderen Antriebsarten belegt das Elektroauto aktuell dann auch nur den vierten Platz - noch hinter den jüngst in Verruf geratenen Dieselfahrzeugen. Viele scheinen - gewissermaßen als Kompromiss zwischen Zukunft und Gegenwart - auch einen Hybridantrieb zu favorisieren.

Eine Bevormundung in dieser Frage durch die Politik, beispielsweise in Form eines Zulassungsverbots für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ab 2030, wie es die Grünen forderten, lehnt die Mehrheit der Bundesbürger ab.

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Jeder Dritte ist in diesem Zusammenhang sogar der Meinung, die Bundesregierung solle dafür Sorgen, dass der Verbrennungsmotor auf unseren Straßen längerfristig erhalten bleibt. Es scheint also noch ein weiter Weg bis hin zu einer Electric Avenue, die ihren Namen auch tatsächlich verdient hat.

Bei den Umfragen handelt es sich um laufende Befragungen. Ergebnisse im Live-Umfragetool werden in Echtzeit ermittelt und können daher von den hier aufgeführten Ergebnissen abweichen. Civey hat von August bis November mehr als 5.000 Teilnehmer pro Umfrage repräsentativ befragt. Der statistische Fehler für die Gesamtergebnisse beträgt jeweils 2,5 Prozent.

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