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Die Hälfte der Deutschen misstraut den Medien

Weltweit wird jedes Jahr am 3. Mai der Internationale Tag der Pressefreiheit begangen. Organisationen wie Reporter ohne Grenzen (RoG) nutzen dieses Datum, um international auf bestehende Missstände hinzuweisen. Aktuell rangiert Deutschland auf der Rangliste der Pressfreiheit der RoG auf Platz 15. Probleme sieht die Organisation vor allem in einer „erschreckend hohen Zahl von tätlichen Angriffen, Drohungen und Einschüchterungsversuchen gegen Journalisten“, insbesondere bei Demonstrationen rechtspopulistischer oder rechtsradikaler Gruppierungen.

Doch auch Versuche der politischen Einflussnahme werden gerügt. Auf struktureller Ebene täten sich die öffentlichrechtlichen Rundfunkanstalten teils schwer, die vom Bundesverfassungsgericht eingeforderte Staatsferne ihrer Aufsichtsgremien in die Praxis umzusetzen.

Wie steht um das Ansehen des Pressewesens in Deutschland? Für wie glaubwürdig halten die Deutschen die Berichterstattung in den Medien? Civey hat mehr als 100.000 Bundesbürger zu ihrem Vertrauen in die Presse befragt. Das Ergebnis: zwischen den Anhängern der verschiedenen Parteien ziehen sich tiefe Gräben.

Mehrheit hat kein Vertrauen in die Presse

Mehr als die Hälfte der Deutschen (53,3%) gibt an, kein Vertrauen in die Medien zu haben. Ein Fünftel (20,8%) vertraut der Presse sogar „gar nicht“. Dem steht nur rund ein Drittel gegenüber, das „relativ starkes“ Vertrauen in den Journalismus hegt (33,9%), „vollkommen“ vertrauen ihm allerdings lediglich 1,9 Prozent.

AfD-Anhänger haben besonders wenig Vertrauen

Die AfD und die deutschen Medien stehen nicht unbedingt auf bestem Fuß miteinander. „Lügenpresse“ - das Unwort des Jahres 2014 - und Donald Trumps „Fake News”-Begriff haben sich insbesondere in rechtskonservativen Kreisen in den letzten Jahren als geflügelte Worte etabliert. 16 der insgesamt 18 gewalttätigen Übergriffe auf Journalisten in Deutschland im Jahr 2016 haben sich laut RoG auf Demonstrationen der Alternative für Deutschland, diverser Pegida-Ableger oder rechtsextremer Gruppen ereignet. Außerdem hätten in einer Reihe von Fällen insbesondere AfD-Politiker Journalisten von Veranstaltungen ausgeschlossen und damit überhaupt eine Berichterstattung verhindert.

Das Misstrauen der AfD spiegelt sich auch in ihrer Wählerschaft wider: Fast die Hälfte der AfD-Anhänger (49,5%) hat überhaupt kein Vertrauen in das Pressewesen. Weitere 40,8 Prozent bezeichnen ihr Vertrauen als „relativ schwach”. Auch eine Mehrheit der FDP-Anhänger misstraut der Berichterstattung in Deutschland (55,5%).

Nur eine Mehrheit der Grünen und der SPD-Anhänger vertraut den Medien

Neben den Anhängern der Linken sind auch die Unionsanhänger geteilter Meinung in der Frage, wieviel Vertrauen sie der Presse schenken. 41,6 Prozent der Linken-Anhänger hegen Vertrauen in die Medien, 43,9 Prozent haben geringes Vertrauen in den Journalismus. Unter den Unionsanhängern vertraut eine knappe Mehrheit von 45,3 Prozent den Medien - gegenüber 42,1 Prozent, die angeben, der Presse kein Vertrauen entgegenzubringen.

Großes Vertrauen in die Berichterstattung findet sich nur bei den Grünen- und SPD-Anhängern. 68,8 Prozent der Grünen-Anhänger vertrauen der Presse „relativ stark” oder sogar „vollkommen“, bei den SPD-Anhängern sind es 59,5 Prozent.

Öffentlich-Rechtliche schneiden deutlich besser ab als Privatsender

Ein Lichtblick für die deutsche Medienlandschaft: mehr als die Hälfte der Deutschen hält die Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen (54,2%) und in Tageszeitungen (52,5%) für glaubwürdig. Zum Vergleich: von der Verlässlichkeit der Berichterstattung im Privatfernsehen geht nur rund ein Viertel der Bundesbürger aus (24,2%).

Auch hier fallen AfD-Anhänger aus der Reihe: obwohl die große Mehrheit weder den Nachrichten der Öffentlich-Rechtlichen (82,8%) noch der Privatsender (66,8%) Glauben schenkt, schneiden die Privatsender im Vergleich zu ARD, ZDF und Co. etwas besser ab. 16,4 Prozent der AfD-Anhänger halten die Berichterstattung im Privatfernsehen für glaubwürdig, bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten sagen dies noch gerade einmal 9,2 Prozent.

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