Civey fragt, wie Deutschland tickt

Grauschleier auf weißem Kittel

Die Ärzte als Aushängeschild unseres Gesundheitswesens geraten unter Generalverdacht – ihre Motive werden von den Deutschen nicht mehr uneingeschränkt als anständig wahrgenommen. Doch fragt man genauer nach, sind die Patienten in Stadt und Land eher zufrieden mit ihrer ärztlichen Versorgung. Aber: Immer mehr Menschen informieren sich über ihre Symptome, bevor sie zum Arzt gehen.

Das Urteil ist hart: 45,3 Prozent der von Civey Befragten glauben, „dass Ärzten ihr Verdienst wichtiger ist als das Wohl der Patienten“. Gut ein Fünftel (21,9%) hält dies zumindest für möglich, ist aber unentschieden. Nur ein Drittel (32,8%) hält den Ärzten hingegen die Stange und beantwortet die Frage mit „eher nein“ (26,1%) oder „auf keinen Fall“ (6,7%).

„Warte immer im Wartezimmer“

Zwar hat ein gutes Drittel (36,0%) das Gefühl, „dass ihr Arzt sich nicht genug Zeit für sie genommen hat“. Aber deutlich mehr, nämlich 56,1 Prozent, hatten in den letzten zwölf Monaten nicht dieses Gefühl. Und auch vorher, bei der Terminfindung, haben die Deutschen selten Probleme mit ihren Ärzten. 62,4 Prozent hatten in den letzten zwölf Monaten keine „Probleme, einen Termin beim Arzt zu bekommen“. Ein knappes Drittel (31,1%) berichtet allerdings, dass der Arzt nicht zum gewünschten Zeitpunkt verfügbar war.

Für diese Einschätzung mag die persönliche Beobachtung im Wartezimmer verantwortlich sein, wenn Privatpatienten vermeintlich gegenüber Kassenpatienten bevorzugt werden. 51,2 Prozent glauben „auf jeden Fall“, „dass privat Krankenversicherte bessere Behandlungen erhalten als gesetzlich Versicherte“. Weitere 26,3 Prozent sagten dazu „eher ja“. Damit sehen satte 77,5 Prozent eine Tendenz zur Ungleichbehandlung in den Praxen. Nur 15,7 Prozent sehen das nicht so.

„Dr. Google“ berät mit

Der Verdacht der Ungleichbehandlung scheint sich auch nicht unmittelbar auf die medizinische Versorgung auszudehnen. Denn die Mehrheit (53,2%) hat durchaus das Gefühl, dass sie „alle nötigen medizinischen Leistungen von ihrer Krankenkasse“ bekommt. 36,4 Prozent allerdings, haben diesen Eindruck nicht. Wohlgemerkt – die Frage richtete sich auf alle „nötigen“ Leistungen. Ob auch alle „möglichen“ Leistungen in der Wahrnehmung der Patienten erbracht werden, wurde in dieser Umfrage nicht hinterfragt.

Ein Grund für das gewachsene Misstrauen gegenüber den „Göttern in Weiß“ dürfte beim „Gott in bunt“ liegen: „Dr. Google“. 45,1 Prozent der Befragten „informieren sich, über ihre Symptome, bevor sie zum Arzt gehen.“ Praktisch genauso viele, nämlich 44,4 Prozent, tun das nicht. Dabei sind Web-Portale inzwischen die wichtigste Quelle. Gesundheitslexika und Sachbücher fallen auch hier gegenüber Online-Medien zurück.

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