Deutsches Gesundheitssystem

Wo brennt’s am meisten?

Während Kassenpatienten über lange Wartezeiten klagen, fürchtet so manch Privatversicherter, im Alter die Beiträge nicht mehr zahlen zu können. Beide Probleme des deutschen Gesundheitssystems plant der neue Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu beheben. Zu den ersten Sofortmaßnahmen, die bereits bis zum Sommer umgesetzt werden sollen, gehört daher eine schnellere Terminvergabe für Kassenpatienten.

Civey Umfragen zeigen jedoch, dass die beiden Versichertengruppen weder steigende Kosten noch das lange Warten auf Arzttermine als die dringendsten Probleme des deutschen Gesundheitssystems ansehen.

Gesetzlich Krankenversicherte warten häufig länger auf Arzttermine

Zwar haben deutlich mehr gesetzlich Krankenversicherte als Privatversicherte Probleme, Arzttermine zu bekommen - 30,7 Prozent der gesetzlich Versicherten geben an, in den letzten Terminen Probleme bei der Terminvergabe gehabt zu haben, bei den Privatversicherten sind es nur 12,2 Prozent - jedoch kommt auch bei den Kassenpatienten eine große Mehrheit (63,3%) ohne Probleme an einen Arzttermin.

grafik-trend-1-min

Langes Warten auf Termine und steigende Kosten sind nicht die größten Probleme

Das lange Warten ist zwar für doppelt so viele gesetzlich Versicherte wie Privatversicherte das dringendste Problem im deutschen Gesundheitsystem (8% zu 4%), jedoch überwiegt auch bei den gesetzlich Versicherten ein anderes Problem, das die neue Bundesregierung ihrer Meinung nach als erstes angehen sollte.

Das von Jens Spahn vorgeschlagene Maßnahmenpaket enthält auch ein Sofortprogramm gegen den Pflegenotstand. Bis zum Sommer sollen 8.000 neue Pflegestellen geschaffen werden. Auch eine bessere Bezahlung über Tarifverträge für Pflegepersonal soll schnellstmöglich umgesetzt werden. Ging es nach den Bundesbürgern, genösse der letzte Punkt die höchste Priorität.

Es fehlt an Pflegekräften und fairen Löhnen im Gesundheitswesen

35,2 Prozent der privat Krankenversicherten und 28,2 Prozent der Kassenpatienten sehen die niedrigen Löhne für Pflegekräfte als den größten Missstand im deutschen Gesundheitswesen an. Auf Platz zwei folgt für beide Versichertengruppen das fehlende Pflegepersonal.

grafik-trend-2-min

Erst Platz drei fällt für beide Gruppen unterschiedlich aus: 23,2 Prozent der Kassenpatienten sind der Meinung, die Bundesregierung sollte sich zuerst um die Ungleichheit von privat und gesetzlich Versicherten kümmern. Längere Wartezeiten können als ein Aspekt dieser Ungleichheit betrachtet werden, aus Sicht der Versicherten scheint sie aber mehr als nur Probleme bei der Terminvergabe zu umfassen.

Steigende Kosten sind in der Tat vor allem für privat Versicherte ein Problem. Mit 14,5 Prozent der Stimmen wiegt dieses Problem in der Dringlichkeit aber nur halb so viel für die privat Versicherten wie der Mangel an Pflegepersonal (29,3%).