Christopher Street Day

Homosexuelle haben in Deutschland nach wie vor mit Vorurteilen zu kämpfen

CSD Berlin 2014 / CC BY-SA 2.0 / mw238 / bearbeitet von Civey

Einmal im Jahr findet weltweit in vielen Großstädten der Christopher Street Day (CSD) statt. An diesem Tag setzen sich Homosexuelle und andere Mitglieder der LGBTIQ-Community für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung in der Gesellschaft ein und zelebrieren gleichzeitig, was in den vergangenen Jahren bereits erreicht wurde.

In Deutschland feiert der CSD am 28. Juli sein 40-jähriges Bestehen. Gemeinsam mit einer halben Millionen erwarteter Teilnehmer fordert der CSD Berlin unter dem Motto „Mein Körper – meine Identität – mein Leben!" unter anderem die gleichberechtigte Repräsentation von Lesben in den Medien und eine Gleichstellung jeglicher Familienentwürfe.

Civey hat hat über 135.000 Bundesbürger gefragt, wie sie zur gleichgeschlechtlichen Ehe und zu Adoptionsrechten für homosexuelle Paare stehen. Außerdem haben wir herausgefunden, wie es um die Akzeptanz von Homosexualität in der Öffentlichkeit bestellt ist. Das Ergebnis: Es wird nach wie vor mit zweierlei Maß gemessen.

Zwei Männer, die sich in der Öffentlichkeit küssen, sind für viele ein No-Go

Die meisten Deutschen haben kein Problem damit, wenn ein heterosexuelles Paar in der Öffentlichkeit Zärtlichkeiten austauscht (85,7%), lediglich 9 Prozent der Bundesbürger stören sich daran, wenn sich ein Mann und eine Frau öffentlich küssen.

Anders sieht es bei homosexuellen Paaren aus. Fast ein Viertel (23,9%) der Befragten fühlt sich belästigt durch lesbischen Pärchen, die sich in der Öffentlichkeit küssen. Dem stehen 71,1 Prozent gegenüber, die nichts gegen zwei sich küssende Frauen einzuwenden haben.

Deutlich größer ist die Ablehnung gegenüber schwulen Paaren, die öffentlich Zärtlichkeiten austauschen. Insgesamt 43 Prozent der Deutschen geben an, dass es sie störe, wenn sich zwei Männer in der Öffentlichkeit küssen. Nur knapp die Hälfte (49,2%) äußert hingegen keine Einwände.

Insgesamt glauben 48,9 Prozent der Bundesbürger, dass Homosexuelle in Deutschland oft mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Interessant ist, dass der Anteil derjenigen, die es stört, wenn sich zwei Männer küssen, ausgerechnet bei denjenigen Befragten besonders hoch ausfällt, die der Ansicht sind, Homosexuelle stießen kaum auf Vorurteile.: 59 Prozent derjenigen, die denken, homosexuelle Menschen werden in Deutschland „eher selten” wegen ihrer sexuellen Orientierung angefeindet, haben selbst ein Problem damit, wenn sich ein schwules Paar in der Öffentlichkeit küsst.

AfD-Anhänger stört es besonders häufig, wenn Homosexuelle öffentlich Zärtlichkeiten austauschen

Besonders oft stören sich Anhänger der AfD, der Unionsparteien und der FDP an Homosexuellen, die sich in der Öffentlichkeit küssen. Zärtlichkeiten zwischen lesbischen Pärchen stoßen bei rund 29 bis 36 Prozent der Anhänger dieser Parteien auf Ablehnung.

Bei schwulen Paaren ist die Ablehnung deutlich größer und liegt für Anhänger der AfD bei 61 Prozent, für CDU/CSU-Anhänger bei 48 Prozent und für Anhänger der FDP bei 46,2 Prozent.

Allerdings geben auch 31,2 Prozent der SPD-Anhänger sowie 25,6 Prozent der Anhänger der Linken an, dass sie sich von zwei knutschenden Männern gestört fühlen. Am geringsten fällt der Wert bei den Grünen-Anhängern mit 17,8 Prozent der Stimmen aus.

Die meisten Männer haben ein Problem mit knutschenden schwulen Paaren

Während die absolute Mehrheit der Frauen (55,4%) nichts gegen zwei sich küssende Männer in der Öffentlichkeit einzuwenden hat, fühlen sich die deutschen Männer deutlich unbehaglicher in Gegenwart von schwulen Pärchen: 49,7 Prozent stört es, wenn sich zwei Männer öffentlich küssen, lediglich 43 Prozent haben damit kein Problem.

Eine Mehrheit befürwortet die „Ehe für alle“

Etwas positiver fällt die Meinung der Deutschen bei der Frage nach der gesetzlichen Ehe für homosexuelle Paare aus. Im Juli letzten Jahres hat der Bundestag die Einführung der Ehe für homosexuelle Paare beschlossen. Am 1. Oktober 2017 ist das Gesetz in Kraft getreten. 54,5 Prozent der Deutschen befürworten die gesetzliche Ehe für Schwule und Lesben, 38,2 Prozent sogar „auf jeden Fall“. Gut ein Drittel (35,3%) lehnt die „Ehe für alle” allerdings nach wie vor ab. Auch hier ist die Ablehnung besonders groß bei Anhängern der AfD (69,4%) sowie der männlichen Bevölkerung (40,7%).

Fast die Hälfte unterstützt ein Adoptionsrecht für Regenbogenfamilien

Und es gibt noch eine weitere positive Nachricht für homosexuelle Paare mit Kinderwunsch: die Forderung des CSD Berlin nach einer Gleichstellung jeglicher Familienentwürfe wird zumindest in Bezug auf homosexuelle Paare von einer Mehrheit der Bundesbürger unterstützt: 48,7 Prozent sind der Meinung, dass homosexuelle Paare die gleichen Adoptionsrechte haben sollten wie heterosexuelle Paare. 43,2 Prozent der Deutschen sehen das allerdings nachwievor anders.

Auch hier ist die Ablehnung besonders groß bei Anhängern der AfD (76,2%), der Unionsparteien (49,4%) sowie der FDP (47,5%). Gleichzeitig ist eine überwältigende Mehrheit der Grünen-Anhänger (80,7%) und auch je über 70 Prozent der Anhänger von SPD und Linken für ein Adoptionsrecht von Regenbogenfamilien.

Wenig überraschend: Auch in dieser Frage ist die weibliche Bevölkerung deutlich aufgeschlossener als die männliche. Während eine Mehrheit der Männer (49,4%) ein Adoptionsrechte für homosexuelle Paare ablehnt, ist die absolute Mehrheit der Frauen (53,6%) der Ansicht, schwule und lesbische Paare sollten dieselben Adoptionsrechte haben wie heterosexuelle Paare.

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