Civey fragt, wie Deutschland tickt

Durch Steuern steuern

Die Deutschen sehen dringenden Reformbedarf im Steuerrecht. Nicht nur sind die meisten der Ansicht, dass die Steuern generell zu hoch sind, auch die Lenkungsmöglichkeiten durch Steuern sollten überdacht werden. Wer etwa Wohneigentum erwirbt, sollte besser unterstützt werden.

Civey wollte wissen, wo die Deutschen „bei der Reformierung des deutschen Steuersystems den größten Handlungsbedarf sehen“ – und nur verschwindend geringe 2,8 Prozent sehen keine Notwendigkeit zur Veränderung. Knapp jeder Dritte aber (30,7%) findet, dass die Einführung geringerer Steuersätze die dringlichste Aufgabe wäre. Weitere 18,1 Prozent sehen in der Digitalisierung der Behörden und dem damit erwarteten Bürokratieabbau die nächstliegende Aufgabe. Weitere 3,5 Prozent sprechen sich zudem ganz konkret für eine Steuererklärung per App aus. Die Einführung einer Einheitssteuer (11,1%) oder von Steuerpauschalen (10,1%) landen dagegen abgeschlagen auf den letzten Plätzen.

Wohneigentum fördern

Dabei sind Steuerpauschalen und Freibeträge ein bewährtes Mittel, um gesellschaftliches Handeln zu lenken – zum Beispiel, um den Erwerb von Wohneigentum zu erleichtern. So finden die Deutschen ganz konkret, dass „Privatpersonen beim Kauf der ersten Immobilie einen Freibetrag (500.000 Euro) auf die Grunderwerbsteuer erhalten sollten“. 67,6 Prozent sprechen sich dafür aus. Nur jeder Fünfte (20,5%) hält das für keine gute Idee. Anders sieht es allerdings aus, wenn konkret nach der erwarteten Wirkung des diskutierten Bau-Kindergeldes gefragt wird. Auf die Frage, ob „ein Zuschuss von 12.000 Euro pro Kind Ihren Entschluss zum Bau oder Kauf einer Immobilie beeinflussen“ würde, antworteten 38,6 Prozent mit „nein, auf keinen Fall“, weitere 21,6 Prozent tendierten zu „eher nein“. Nur 27,9 Prozent können der Idee etwas Positives abringen.

Ja zur „Kirchensteuer“ für Muslime

Zwar sind die Deutschen ganz allgemein für weniger Steuern und Steuerarten – doch erscheinen ihnen auch neue Abgaben als sinnvoll, wenn die damit verbundene Lenkungsabsicht wünschenswert ist. So sprachen sich Ende Dezember im Licht der 4. Deutschen Islamkonferenz 68,7 Prozent der Befragten dafür aus, „eine Art Kirchensteuer für Angehörige der muslimischen Religionsgemeinschaft in Deutschland“ einzuführen. So wären Moscheen weniger abhängig von finanziellen Hilfen aus dem Ausland. Allerdings war auch eine solide Minderheit (21,2%) dagegen. ## Nein zur „Klimasteuer“ für alle

Bei einer weiteren zusätzlichen Steuer, durch die das Erreichen von Klimazielen finanziert werden könnte, gibt es hingegen eine starke Mehrheit der Ablehnenden: Auf die Frage, „Wie viel Steuern wären Sie bereit zusätzlich auf Ihre Energiekosten (Strom, Heizen, Auto) zu bezahlen, damit die Klimaziele erreicht werden?“, antworteten 54,3 Prozent der Befragten „gar nichts“. Bis zu 50 Euro im Jahr wären 13,2 Prozent bereit zu zahlen, weitere 16,3 Prozent würden sogar bis zu 100 Euro leisten. Weitere 11,6 Prozent würden sogar noch mehr hergeben. – Insgesamt wären also 41,1 Prozent der Befragten bereit, sich für ein besseres Klima in die Tasche greifen zu lassen.

Ein umfangreiches Meinungs- und Verhaltensbild der Bundesbürger zum Thema Finanzen finden Sie außerdem in unserem Civey PRO Finanzreport „Eine Frage des Geldes".

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