„Wir sind auch gerne mal laut”

Moritz Möller von Veganz im Interview

Wie schafft es eine kleine Berliner Nischenmarke für pflanzliche Lebensmittel zum börsennotierten und europaweit agierenden Anbieter mit rund 120 Produkten? Das verrät uns Moritz Möller, CMO der Veganz Group AG. Zudem im Interview: Was macht Veganz im Marketing anders? Wie misst das Unternehmen den Erfolg der eigenen Kampagnen? Und in welchem Fußballstadion der ersten Bundesliga gibt es neben Bier und Bockwurst auch vegane Angebote?

Civey: Ihr agiert in einem sehr kompetitiven Umfeld mit einem eher kleineren Marketingbudget im Vergleich zu anderen Marktakteuren. Wie schafft ihr es in einem solchen Umfeld Aufmerksamkeit zu erzeugen?

Moritz Möller: Ein Grund für unsere Bekanntheit liegt in unseren Wurzeln. Veganz ist als Community-Marke groß geworden. Wir sind als erste vegane Supermarktkette Europas an den Start gegangen und haben damit in der veganen Szene für positiven Wirbel gesorgt. Seitdem haben wir es immer wieder geschafft, uns mit spannenden Zukunftsthemen rund um Veganismus zu positionieren. So sind wir als erste deutsche vegane Marke an die Börse gegangenen oder errichten gerade in Berlin die größte Produktionsstätte Europas für rein pflanzliche Lebensmittel. Zudem haben wir schon in einer frühen Unternehmensphase TV-Werbung geschaltet. In der Summe ist es uns damit gelungen, auch als vergleichsweise kleiner Player große Aufmerksamkeit zu erzeugen. Wir sind im positiven Sinne auch gerne mal laut.

Civey: Was versucht ihr im Bereich Marketing anders zu machen als die Konkurrenz?

Moritz Möller: Was uns im Wesentlichen von der Konkurrenz unterscheidet ist unsere Positionierung. Wir sind eine Marke für klimafreundliche Ernährung. Damit stehen wir für einen Kulturwandel in der Ernährung, der gerade in Europa stattfindet. 30 Prozent der Europäerinnen und Europäer sagen, dass sie sich aufgrund des Klimawandels flexitarisch ernähren. Denn 25 bis 30 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes gehen auf die tierische Lebensmittelproduktion zurück. Wir merken, dass die Nachfrage nach veganen Produkten deutlich gestiegen ist. Um die Nachfrage zu stillen, bieten wir 120 Produkte in 17 verschiedenen Kategorien an. Da ist alles dabei vom Frühstück bis zum Abendbrot - ob das nun die Tiefkühlpizza ist oder vegane Fleisch- und Wurst-Alternativen. Unser Angebot gibt es nicht nur in den Supermärkten in Deutschland und Europa, sondern auch in Betriebskantinen, im Fußballstadion oder zum Beispiel an einem Snackautomaten in Berlin. Denn die Nachfrage nach veganen Produkten macht sich überall bemerkbar, wo Lebensmittel angeboten werden - nicht nur im Supermarkt.

Civey: Apropos Fussballstadion, ihr seid vor kurzem eine Partnerschaft mit RB Leipzig eingegangen. Was sind die Gründe dafür?

Moritz Möller: RB Leipzig möchte im Bereich Ernährung neue und innovative Schritte gehen und ist auf der Suche nach einem Experten für nachhaltige Lebensmittel bei uns fündig geworden. Gemeinsam wollen wir zeigen, dass sich pflanzliche Ernährung und Profisport nicht ausschließen. Vegane Produkte sind nicht nur klima- und umweltfreundlich, sondern liefern auch Leistungssportlern die nötige Energie. Unsere Partnerschaft ist der Versuch, in der Fußball-Bundesliga eine vegane Esskultur zu etablieren.

Civey: Um zu erfahren, wie sich eure Markenbekanntheit entwickelt, nutzt ihr das Monitoring von Civey. Welche Bedeutung hat es für Euch?

Moritz Möller: Wir arbeiten nun schon seit zwei Jahren mit Civey. Für uns ist die Kampagnenmessung ein wichtiges Instrument, um zu sehen, was wir mit unseren einzelnen Marketing-Maßnahmen konkret erreichen. Hilfreich ist für uns, dass wir das mit Hilfe der Civey-Daten sowohl für ganz Deutschland und als auch in einzelnen Segmenten analysieren können. Zudem ist es ein großer Vorteil, dass wir aufgrund der Echtzeitdaten jeden Tag sehen können, wie sich unsere Markenbekanntheit entwickelt – und das bis auf die Landkreisebene und in einzelnen Altersgruppen. So können wir besser erkennen, wen wir erreichen und gewinnen natürlich auch Insights über Wettbewerber. Im Verlauf eine Jahres bietet uns das Tool viele Ansätze zur Verbesserung unserer Marketing-Strategie.

Civey: Was waren die interessantesten Erkenntnisse aus der Echtzeit-Kampagnenmessung für euch? Gab es Ergebnisse, die ihr so nicht erwartet hättet?

Moritz Möller: Uns hat die große Resonanz unseres Börsengangs positiv überrascht. Der Effekt der begleitenden Kommunikation zum IPO und der dazugehörigen Berichterstattung war stärker, als wir es im Vorfeld erwartet hätten. Die Steigerung unserer Markenbekanntheit konnten wir quasi live im Monitoring verfolgen.

Civey: Welche neuen Trends und Entwicklungen im Marketing sind auch für Veganz spannend?

Moritz Möller: Daten sind weiterhin ein großes Thema: Welche Daten gibt es? Wie kann ich sie analysieren und nutzbar machen? Welche brauche ich, welche nicht? Wir haben unglaublich viel Daten zur Verfügung, die grundsätzlich viel ermöglichen. Damit einher geht die zunehmende Individualisierung und Automatisierung von Werbekampagnen. Viele Zielgruppen erreicht man nur noch auf bestimmten Kanälen. Daher werden zunehmend einzelne digitale Kampagnen automatisch an genau definierte Zielgruppen ausgespielt. Oder es gibt lokale Varianten mit eigenen Wordings, die sich dann auch noch je nach Wetterlage unterscheiden. Es bleibt spannend zu beobachten, wie gut das funktionieren wird und ob sich fragmentierte Kampagnen immer mehr durchsetzen werden oder ob groß angelegte Werbemaßnahmen mit einem höheren Streuverlust nicht auch ihre Daseinsberechtigung haben. Grundsätzlich ist Marketing sehr getrieben von neuen Trends. Aber gerade im Brand-Marketing sind auch Stabilität und Konsequenz wichtig. Das versuchen wir bei Veganz umzusetzen.

Civey: Zum Abschluss, was ist dein Lieblingsprodukt von Veganz?

Moritz Möller: Ganz klar unsere Protein Choc Bars, das sind Entertainment-Proteine. Sie sind perfekt geeignet zum Essen, wenn man abends etwas Sport gemacht hat und danach was Gesundes und Leckeres beim Netflix-Schauen essen möchte.


Über Moritz Möller

Moritz Möller blickt auf viele Jahre Marketingerfahrung in den Bereichen Kultur und Unterhaltung, Reise- und Technologiebranche zurück. Vor seiner Tätigkeit bei der Veganz Group AG war er über 16 Jahre im Kulturmanagement sowie als freier Marketingberater tätig. Er ist Preisträger des Apps4Berlin Awards 2011 und des Marketing4Future Awards 2020 und 2021. Im April 2018 nahm er seine Tätigkeit als Leiter Marketing und eCommerce bei Veganz auf und ist heute als CMO für die Bereiche Marketing und Produktmanagement verantwortlich.

Moritz Moeller

Über Veganz

2011 in Berlin gegründet, wurde das Unternehmen als erster veganer Vollsortiment-Supermarkt Europas bekannt. Darüber hinaus ist das Unternehmen mit der Eigenmarke nach eigenen Angaben einer von weltweit wenigen Vollsortiment-Anbietern für vegane Produkte. Inzwischen sind rund 470 Produkte der Marke Veganz entwickelt worden. Aktuell umfasst das Sortimentüber 120 Produkte. Für das Engagement wurde Veganz 2021 als einziges deutsches Unternehmen in einem exklusiven Handelsblatt-Ranking unter die Top-3-Innovationsbrands und zur innovativsten Food Brand Deutschlands gewählt.

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