Umfragen_erstellen

So erstellen Sie Umfragen richtig

Schlechte Fragen generieren schlechte Daten. Und egal wie ausgefeilt das analytische Verfahren im Anschluss auch ist: Aus schlechten Daten lassen sich keine guten Ergebnissen ableiten. Dieser Text soll Ihnen als Wegweiser bei der Erstellung von Umfragen dienen und dabei helfen, Fehler zu vermeiden und aussagekräftige Resultate zu erzielen.

Die richtige Fragestellung für Ihre Umfrage

  1. Die Fragen sollten für die Befragten verständlich sein. Verwenden Sie daher einfache und eindeutige Formulierungen, die möglichst allen Umfrage- Teilnehmern bekannt sind und von diesen in gleicher Weise verstanden werden. Orientieren Sie sich dabei an Ihrer Zielgruppe und deren Kenntnisstand.

    Beispiel: „wirtschaftlicher Abschwung“ statt „Rezession”
  2. Die Fragen sollten neutral formuliert sein. Vermeiden Sie daher Suggestivfragen, um eine Beeinflussung der Befragten und eine mögliche Verzerrung der Ergebnisse auszuschließen.

    Negativbeispiel: „Der Vorsitzende der Partei X äußerte sich am Sonntag überschwenglich in Bezug auf das vom Parteitag beschlossene Rentenkonzept. Finden Sie auch, dass Partei X ein überzeugendes Rentenkonzept hat?“
  3. Ihre Fragen sollten kurz und prägnant sein, das hat einen positiven Einfluss auf die Verständlichkeit, erhöht die Antwortbereitschaft und verhindert Ermüdungseffekte. Verwenden Sie daher nicht mehr als 125 Zeichen bei der Formulierung einer Frage.
  4. Vermeiden Sie Fragen, die Vorwissen und Informationen voraussetzen, bei denen nicht klar ist, ob die Befragten darüber verfügen. Auch hier gilt: Orientieren Sie sich an Ihrer Zielgruppe und deren Kenntnisstand!

    Negativbeispiel: „Ist die Reform der Berliner Bebauungsverordnung Ihrer Meinung nach richtig?”
  5. Formulieren Sie eine Frage so, dass sie nur eine einzige Fragestellung enthält und nicht mehrere kombiniert.

    Negativbeispiel: „Welcher der folgenden Politiker ist Ihr persönlicher Favorit und warum?”

    Bei der Kombination von mehreren Fragestellungen innerhalb einer Frage, besteht die Möglichkeit, dass Sie verschiedene Teilaspekte abbilden, zu denen ein und der selbe Teilnehmer möglicherweise unterschiedliche Meinungen hat.

    Negativbeispiel: „Sind Sie mit der Außen- und Innenpolitik von Angela Merkel zufrieden?”
  6. Vermeiden Sie Verneinungen. Sprachlich negative Formulierungen führen oftmals zu Verwirrungen bei den Befragten, die dann nicht wissen, wie Sie Ihre Meinungen in den Antwortoptionen zum Ausdruck bringen.

    Negativbeispiel: „Stimmen Sie der folgenden Aussage zu? Es ist nicht gut, mehr als ein Glas Rotwein am Tag zu trinken.”
  7. Achten Sie darauf, dass Ihre Fragen inhaltlich richtig und die verwendeten Begriffe korrekt sind.

    Beispiel: Langzeitarbeitslose erhalten ALG II und nicht “Hartz IV”.
  8. Definieren Sie Begriffe, falls Unklarheit darüber besteht, ob allen Befragten deren Bedeutung bekannt ist. Umgangssprachliche Bezeichnungen sollten zudem durch Anführungszeichen kenntlich gemacht werden.
  9. Vermeiden Sie Abkürzungen, von denen Sie nicht sicher sind, dass sie allen Befragten bekannt sind.

    Beispiel: „Bundesverfassungsgericht” statt „BVerfG”.
  10. Mit Blick auf die Eindeutigkeit sollten Sie auf Verallgemeinerungen verzichten und sich nicht mit den Befragten auf eine Ebene stellen.

    Negativbeispiel: „Brauchen wir eine europäische Armee?”

Neben der Formulierung der Fragestellung hat auch die Konzeption der Antwortmöglichkeiten einen wesentlich Einfluss auf die Güte der erhobenen Daten.

Die passenden Antwortmöglichkeiten für Ihre Umfrage

Die Antwortmöglichkeiten sollten - sofern möglich - eine ausgeglichene Skala darstellen. Civey nutzt daher zumeist fünfstellige sogenannte „Likert-Skalen” mit zwei positiven und zwei negativen Ausprägungen sowie einer neutralen Antwortmöglichkeit.

Das hat den Vorteil, dass die Antwortkategorien oberhalb beziehungsweise unterhalb der neutralen Antwortmöglichkeit addiert werden können, um die gesamte Zustimmung beziehungsweise Ablehnung zu einer Frage zu erfassen.

Das Feld „Unentschieden” findet bei Auswertungen - in der Regel - weniger Beachtung. Es dient gewissermaßen als „Auffang-Antwort” für alle Befragten, die sich (1) trotz Sachkenntnis nicht entscheiden möchten oder (2) aufgrund von mangelnder Sachkenntnis nicht entscheiden können. Sollte eine Unterscheidung zwischen (1) und (2) gewünscht werden, kann zusätzlich das Feld „Weiß nicht” eingefügt werden.

Wenn eine Problemstellung die Verwendung von Likert-Skalen unmöglich macht - beispielsweise, wenn Sie nicht die Zustimmung von Befragten sondern Häufigkeiten erfassen möchten (Beispiel: „Wie häufig in der Woche essen Sie frisches Obst?”) - sollten Sie darauf achten, dass Ihre Antwortkategorien erschöpfend sind - also alle denkbaren Antwortmöglichkeiten abdecken - und sich nicht überschneiden, sodass die befragten Personen sich stets eindeutig und zweifelsfrei einer einzelnen Kategorie zuordnen können. Zu guter Letzt noch ein ganz genereller Tipp: Testen Sie Ihren Fragebogen vorab in kleinen Versuchsgruppen und scheuen Sie sich nicht - wenn nötig - Änderungen vorzunehmen!

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